Hintergründe und Berichte
FAQ: Textillabel von Max Havelaar (28.04.05)
Was bedeutet das Max Havelaar Gütesiegel für Textilien?
Das neue Max Havelaar Label steht primär für fair gehandelte Baumwolle. Wenn ein Textilprodukt dieses Gütesiegel trägt, stammt die Baumwolle von Max Havelaarzertifizierten Kleinbauern. Diese erhalten einen festen Mindestpreis und eine Fair Trade Prämie für Gemeinschaftsprojekte. Für die Ernte 2004-2005 lag der Fair- Trade- Preis rund 20-30% über dem Marktpreis. Die Prämie beträgt 13% des Fair- Trade- Mindestpreises.
Die Baumwollbauern verpflichten sich, nebst sozialen, auch ökologische Kriterien (z.B. Verbot von Gentech Samen) einzuhalten. Der Anbau von Biobaumwolle wird gefördert. Das Label von Max Havelaar umfasst aber Produkte mit und ohne Bio-Zertifizierung. In einer Anfangsphase sind rund 500 Baumwollbauern aus Indien, Pakistan, Mali und Senegal in das Fair Trade Konzept eingebunden. Bei der Lancierung am 28. April 2005 waren Switcher, Manor, Migros, Helvetas und Balsiger Textil AG am Baumwoll-Label beteiligt. Die Angebotspalette umfasst TShirts, BabyBodys, Frottierwäsche und diverse Watteprodukte.
Die gesamte Textilverarbeitungskette ist zudem für jedes Produkt transparent und wird nach Auskunft von Max Havelaar gemäss der Industrienorm SA8000 kontrolliert. In der Verarbeitung gelten also etwa dieselben Arbeitsrechte, wie sie von der Clean Clothes Campaign (CCC) seit Jahren fordert (Gewerkschaftsrechte, Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit, etc.). Davon profitieren in der Textilindustrie rund 5000 Beschäftigte.
Worin liegt der Unterschied zum Ansatz der Clean Clothes Campaign?
Die CCC verfolgt einen Branchenansatz, Max Havelaar einen Produktansatz. Der soziale Verhaltenskodex der CCC (CCC-Modellkodex) definiert also die Verantwortung eines Bekleidungsunternehmens in der Konfektionierung fürs gesamte Kleidersortiment. Max Havelaar dagegen verfolgt die Sozialstandards entlang der Verarbeitungskette vom Anbau, über die Spinnerei, Färberei bis hin zur Konfektionierung.
Gemäss den vorliegenden Informationen anerkennen aber alle Lizenznehmer die von Max Havelaar geforderten, minimalen Arbeitsrechte fürs gesamte Sortiment. Die EvB hofft, dass Max- Havelaar- Lizenznehmer auch in Zukunft keine tieferen Sozialstandards anwenden werden. Max Havelaar fordert in der Verarbeitung – gleich wie die CCC - ebenfalls nur einen Mindeststandard. Ein tieferer Standard wäre daher bereits Sozialdumping. Derartiges Verhalten könnte kein Geschäftspartner des fairen Handels rechtfertigen.
Warum gibt es nicht schon lange gerecht produzierte Kleider?
Ohne die Vorarbeit von Switcher, die die sozialen und ökologischen Kriterien seit Jahren systematisch umsetzen, gäbe es das Max Havelaar-Label wohl auch heute noch nicht. Das MH-Label stellt gewissermassen die Krönung dar für Bemühungen von Firmen, die sich bereits seit längerem für bessere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie einsetzen. Insofern ist das Textillabel auch der langjährigen Kampagnenarbeit und dem andauernden, öffentlichen Druck zu verdanken.
Doch die Kontrollen von Sozialstandards in der Verarbeitung der Baumwolle sind auch heute noch eine grosse Herausforderung für Max Havelaar. Denn es fehlen nach wie vor unabhängige Institutionen, um in der Textilindustrie die Arbeitsbedingungen glaubwürdig zu überprüfen.
Um diese Lücke zu schliessen, fordert die CCC seit Jahren die Schaffung einer international vernetzten Verifizierungsstelle. Unter anderem unterstützt auch Max Havelaar den Aufbau einer solchen Stelle in der Schweiz. Switcher und die Migros haben im Rahmen eines Pilotprojektes der CCC ebenfalls Erfahrungen mit der Verifizierung gesammelt.
Wie sehen die Kontrollen von Max Havelaar aus?
Max Havelaar stützt sich in der Verarbeitung auf Kontrollen von externen Unternehmen. Diese überprüfen einerseits die Umsetzung der Arbeitsrechte durch die Lizenznehmer. Andererseits werden auch in den Fabriken Kontrollen durchgeführt und allenfalls korrigierende Massnahme empfohlen. Max Havelaar plant zudem, in der gesamten Produktionskette Stichprobenkontrollen vorzunehmen.
Dabei stützt sich Max Havelaar teilweise auf sogenannte SA8000 Zertifizierungen. Südliche Organisationen bemängeln regelmässig die Qualität dieser Art von Kontrollen. Um die Glaubwürdigkeit des Textillabels langfristig zu sichern, sollten sich daher alle Max- Havelaar- Lizenznehmer am Aufbau einer Verifizierungsstelle beteiligen. Bisher haben sich aber erst Migros und Switcher dafür eingesetzt.
Welche Auswirkungen hat das Label auf die Arbeitsbedingungen?
Diese Frage kann heute noch nicht beantwortet werden. Ob also das MH-Label einen allgemeinen Fortschritt bringen wird für die Näherinnen und Näher in den Kleiderfabriken, wird von den verlangten Sozialstandards und vom Vorgehen beim Monitoring abhängen.
Es ist zu hoffen, dass Max Havelaar auch in Zukunft keine Trittbrettfahrer mit an Bord nimmt. Als Trittbrettfahrer werden Firmen bezeichnet, die nicht einmal den Minimalstandard einhalten und sich nicht um die Arbeitsbedingungen in den Bekleidungsfabriken kümmern.
Bei solchen Unternehmen wäre das Gütesiegel lediglich ein Feigenblatt, hinter dem eine schlechte Beschaffungspraxis verdeckt werden kann. Damit würden die Konsumierenden verwirrt und das Label wäre eher kontraproduktiv. Einen wichtigen Beitrag leisten kann das Label dadurch, dass es den Aufbau einer Verifizierungsstelle energisch vorantreibt.
Sollten auch die Näherinnen eine Fair- Trade- Prämie erhalten?
Beim Max Havelaar Baumwoll-Label werden nur den Bauern höhere Preise bezahlt. Für die ländliche Bevölkerung und die Produzentengenossenschaften ist dies eine gute Lösung. Dank der FT-Prämie (dem höheren Preis) werden Gemeinschaftsprojekte finanziert. Dazu werden lokale Gremien geschaffen, die über die Verwendung des Geldes entscheiden.
In der Industrie ist die lokale Verankerung viel geringer. Durch die grössere Arbeitsteilung erfolgt hier die Produktion dezentral. In der Textilindustrie sind daher die Gewerkschaftsrechte wichtiger. An Stelle von Gemeinschaftsprojekten sollte in der Industrie der Organisationsfreiheit und dem Recht auf kollektive Verhandlungen gefördert werden. Damit erhalten die Beschäftigten die Möglichkeit, einen fairen Lohn und gerechte Arbeitsbedingungen auszuhandeln.
An Stelle der FT-Prämie tritt daher die Forderung, dass Max- Havelaar- Lizenznehmer die minimalen Sozialstandards bei allen Lieferanten einhalten und überprüfen müssen. Damit würden die Unterschiede zwischen dem Produktlabel von Max Havelaar und dem Kodex-Ansatz der CCC hinfällig und der gegenseitige Nutzen dieser Projekte könnte so gesteigert werden.
Was bedeutet das Textillabel für den fairen Handel?
Neu am Textillabel von Max Havelaar ist, dass erstmals im fairen Handel ein industriell verarbeitetes Produkt im Non-Food-Bereich angeboten wird. Bisher stammten die fair gehandelten Produkte stets aus der Landwirtschaft oder aus kleineren Handwerksbetrieben (Kunsthandwerk). Mit dem Max- Havelaar- Textillabel werden daher erstmals soziale und ökologische Kriterien entlang der gesamten Verarbeitungskette definiert und kontrolliert. Dank Max Havelaar erhalten die Konsumierenden nun ein neues Angebot: Produkte aus fair gehandelter Baumwolle.
Es gibt aber schon seit Jahren Produkte aus Biobaumwolle auf dem Markt, beispielsweise von Coop Naturaline, Helvetas, Hess Natur, Remei (produziert für Coop Naturaline und BioRe), Switcher oder von WWF-Panda. Auch dort profitieren die Bauern meist von Beratungen, höheren Abnahmepreisen, langfristigen Geschäftsbeziehungen, etc.
Auch diese Angebote erfüllen also viele Prinzipien des fairen Handels und verdienen unsere Unterstützung. Es ist zu hoffen, dass nun auch die Kundinnen und Kunden darauf achten und mithelfen werden, die Erfolgsgeschichte des fairen Handels in der Schweiz fortzusetzen.
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Max Havelaar über ihr Textilprodukte mit ihrem Label |
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Verkaufsstellen für Produkte mit dem Gütesiegel von Max Havelaar |
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PAN Germany zu den Textilien aus fair gehandelter Baumwolle von Max Havelaar |




