Finanzkrise
Unsere Krise ist im Süden eine Katastrophe (14.05.09)
Die noch nicht ausgestandene Finanzkrise mit Epizentrum USA hat sich zu einer weltweiten Wirtschaftskrise ausgewachsen. Im letzten Viertel des vergangenen Jahres brach die weltweite Industrieproduktion um 20 Prozent ein. Je stärker die Länder des Südens auf Exporte und ausländisches Kapital setzten, desto stärker trifft sie die Krise.
Dieses Jahr wird das Bruttosozialprodukt aller Länder zum ersten Mal seit dem 2. Weltkrieg schrumpfen. Die in allen Weltregionen simultan verlaufende Krise zeigt auf welch tönernen Füssen die wirtschaftliche Dynamik der Globalisierung seit Beginn des 21. Jahrhunderts beruhte. Die entscheidende Nachfrage kam von den Konsumentinnen und Konsumenten in den USA. Und diese konsumierten auf Pump, täglich betrug dieser schuldenfinanzierte Konsum zwei Milliarden Dollar. Mit dem Einbruch des Privatkonsums in den USA - die Amerikanerinnen und Amerikaner müssen jetzt sparen statt auf Kredit zu konsumieren - erfolgte der weltweite Absturz.
Je mehr die Länder des Südens auf die Globalisierung gesetzt haben, desto härter werden sie jetzt getroffen. Durch die Forcierung der Exportorientierung haben viele Entwicklungs- und Schwellenländer auf die Nachfrage des Weltmarktes gesetzt, die jetzt weg ist. Für den Welthandel ist dieses Jahr der stärkste Rückgang seit 80 Jahren prognostiziert. Erschwert wird die Situation vieler und gerade der ärmeren Länder durch die Abhängigkeit vom Rohstoffexport. Nach einem kurzen spekulationsgetriebenen Preisboom sind die Rohstoffpreise zusammen gebrochen.
Die ärmsten Länder spüren zudem noch einen Rückgang der Überweisungen von MigrantInnen, weil diese ihre Arbeit im Norden oder in den Golfstaaten verloren haben. Und die Entwicklungshilfe dürfte mit dem Einbruch der Steuereinnahmen in den reichen Ländern unter Druck kommen.
Und wenn das Geld fehlt, so kann das auch nur an falscher Prioritätensetzung liegen: 8900 Milliarden Dollar wurden bisher für die Banken aufgewendet, dafür liesse sich 75 Jahre lang die weltweite Entwicklungshilfe (2008) bezahlen.
Andreas Missbach, Zürich, 19.5.2009
Dieses Jahr wird das Bruttosozialprodukt aller Länder zum ersten Mal seit dem 2. Weltkrieg schrumpfen. Die in allen Weltregionen simultan verlaufende Krise zeigt auf welch tönernen Füssen die wirtschaftliche Dynamik der Globalisierung seit Beginn des 21. Jahrhunderts beruhte. Die entscheidende Nachfrage kam von den Konsumentinnen und Konsumenten in den USA. Und diese konsumierten auf Pump, täglich betrug dieser schuldenfinanzierte Konsum zwei Milliarden Dollar. Mit dem Einbruch des Privatkonsums in den USA - die Amerikanerinnen und Amerikaner müssen jetzt sparen statt auf Kredit zu konsumieren - erfolgte der weltweite Absturz.
Je mehr die Länder des Südens auf die Globalisierung gesetzt haben, desto härter werden sie jetzt getroffen. Durch die Forcierung der Exportorientierung haben viele Entwicklungs- und Schwellenländer auf die Nachfrage des Weltmarktes gesetzt, die jetzt weg ist. Für den Welthandel ist dieses Jahr der stärkste Rückgang seit 80 Jahren prognostiziert. Erschwert wird die Situation vieler und gerade der ärmeren Länder durch die Abhängigkeit vom Rohstoffexport. Nach einem kurzen spekulationsgetriebenen Preisboom sind die Rohstoffpreise zusammen gebrochen.
Schuldendeckung mit teuren Krediten
Fast noch stärker rächt sich die Abhängigkeit von globalen Finanzmärkten. Die privaten Kapitalflüsse in die Schwellenländer sind seit 2007 um 82 Prozent zurück gegangen, weil die Banken in den Industrieländern die Verluste auf faulen Wertpapieren verarbeiten müssen. Wenn überhaupt noch privates Kapital erhältlich ist, ist es viel teurer: Teilweise müssen Zinsaufschläge von 20 Prozent gegenüber dem Zinsniveau in den Industrieländern bezahlt werden. Staaten und Unternehmen, die davon ausgingen, fällige Schulden durch neue Kredite ablösen zu können, sehen sich getäuscht. Die Weltbank schätzt, dass den Entwicklungsländern 2009 zwischen 270 und 700 Milliarden Dollar fehlen, weil kein privates Kapital mehr erhältlich ist. Hinzu kommt, dass sich in den Schwellenländer auch die Unternehmen sehr stark im Ausland verschuldet haben. Hier werden dieses Jahr mehr als 1000 Milliarden Unternehmensschulden fällig und es droht eine Bankrottwelle und damit eine weitere Verschärfung der Wirtschaftskrise.Die ärmsten Länder spüren zudem noch einen Rückgang der Überweisungen von MigrantInnen, weil diese ihre Arbeit im Norden oder in den Golfstaaten verloren haben. Und die Entwicklungshilfe dürfte mit dem Einbruch der Steuereinnahmen in den reichen Ländern unter Druck kommen.
Rückschlag bei der Armutsbekämpfung
Die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen wird in mehr als der Hälfte der Entwicklungsländer und in bis zu drei Viertel der Länder Afrikas zunehmen. Allein dieses Jahr um gesamthaft mindestens 55 Millionen Menschen. Die Erreichung der UNO-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals) bis 2015 rückt in weite Ferne. So sterben durch die Krise jährlich 200'000 bis 400'000 Kinder mehr. Viele kurzfristige Krisenfolgen – eine Zunahme der Fehlernährung oder ein Rückgang der Einschulung – haben langfristige Folge, auch dann, wenn sich die wirtschaftliche Situation wieder verbessern sollte. Es ist deshalb entscheidend, dass die Ausgaben für zentrale Entwicklungsaufgaben wie Bildung und Gesundheit und zum Schutz der Ärmsten nicht der Krise zum Opfer fallen.Industrieländer wehren sich gegen UNO-Vorschläge
Mittelfristig kann nur die Umverteilung des Reichtums innerhalb und zwischen Ländern und eine radikale Ökologisierung eine breit abgestützte Nachfrage schaffen, die eine gesunde Wirtschaftsentwicklung erlaubt. Im Entwurf für ein Konferenzdokument der Uno-Konferenz über die Finanzkrise von Anfang Juni hat der Vorsitzende der UNO-Generalversammlung dazu viele gute Vorschläge gemacht, zum Beispiel eine (Tobin-)Steuer auf Finanztransaktionen oder eine internationale Steuerorganisation. Leider geht das den Industrieländern der G20 viel zu weit, sie verlangen ein abgeschwächtes Dokument und drohen damit, nur die drittrangigen Diplomaten an die Konferenz zu schicken. Die Industrieländer wollen Reformen allenfalls im Rahmen der bestehenden Organisationen WTO, Internationaler Währungsfonds und Weltbank. Keinesfalls wollen sie der UNO mehr Spielraum geben oder gar neue UNO-Organisationen zulassen.Und wenn das Geld fehlt, so kann das auch nur an falscher Prioritätensetzung liegen: 8900 Milliarden Dollar wurden bisher für die Banken aufgewendet, dafür liesse sich 75 Jahre lang die weltweite Entwicklungshilfe (2008) bezahlen.
Andreas Missbach, Zürich, 19.5.2009


