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Eine andere Welt ist möglich - Die EvB am Weltsozialforum in Belém  (28.01.09)
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Die diesjährige Ausgabe des Weltsozialforums findet nicht wie die bisherigen Treffen in Brasilien im Süden statt, sondern ganz im Norden, in Belém,der Hauptstadt des Bundesstaates Pará. Belém liegt auf einer Halbinsel eines Seitenarmes in der Amazonasmündung. Die gegenüberliegende Flussseite ist nicht urbanisiert und wird bereits vom Grün der Bäume und Palmen dominiert.

Pará gehört zu Amazonien und hier ist alles gigantisch. Die Insel Marajo, die zwischen den Mündungsarmen des Amazonas liegt und auf einer Brasilienkarte verschwindend klein ist, hat dieselbe Fläche wie die Schweiz. Eine eher kleine Gemeinde ist hier schnell einmal doppelt so gross wie der Kanton Zürich. Überdimensioniert sind auch die sozialen Probleme, die vor allem auf die ungleiche Landverteilung zurückzuführen sind. Der Besitzer der Bank „Oportunity“ Daniel Dantas ist auch der grösste Landbesitzer in Pará. Ihm gehören fünf Farmen mit einer Fläche von 600'000 Hektaren. Das sind 30'000 mittelgrosse Schweizer Bauernhöfe, das ist die Hälfte aller Höfe der Schweiz. Auf den abgeholzten Regenwaldflächen wurden Weiden für Dantas eine Million Rinder angelegt. Den sozialen und ökologischen Problemen Amazoniens sind viele der über 2000 Veranstaltungen des Forums gewidmet.

Die Krise als Chance
Die Themen des Forums lassen sich trotz der Vielfalt in drei Gruppen aufteilen:
  • Die Suche nach einer Gesellschaft, in der nicht der Profit dominiert, sondern die Verwirklichung von Rechten möglichst vieler Menschen.
  • Die Überwindung von Krieg und Gewalt als Mittel der „Problemlösung“.
  • Die Neu-Erfindung der Demokratie jenseits der formellen Politik.
Wie in Davos, sind auch in Belém Staatschefs zugegen. Auf Einladung von Brasiliens Präsident Lula werden Hugo Chávez (Venezuela), Rafael Correa (Equador), Fernando Lugo (Paraguay) und Evo Morales (Bolivien) gemeinsam auftreten.

Natürlich ist auch die Finanzkrise ein dominierendes Thema am diesjährigen Weltsozialforum. Aber anders als im kalten Davos sehen die Teilnehmenden in Belém die Krise vor allem als Chance. Jetzt wo die marktradikalen Ideen so augenfällig Schiffbruch erlitten haben, kann wieder freier gedacht werden. Die Utopien, die am Weltsozialforum immer schon Hochkonjunktur hatten, sind jetzt sowohl nötiger als auch realisierbarer.

Die EvB in Belém
Die Erklärung von Bern ist als Teil der gut 50-köpfigen Schweizer Delegation aus NGO-Vertreterinnen, Politikern, Gewerkschaftern und Journalistinnen am Weltsozialforum. Die EvB engagiert sich gemeinsam mit dem BankTrack-Netzwerk und vielen Partnerorganisationen aus aller Welt in einer Serie von Seminaren zur Finanzkrise. Am Ende der fünf Tage intensiver Debatten, so unser Ziel, soll ein klarer breit abgestützter Katalog von Forderungen und Vorschlägen vorliegen. Ob dies im politischen Dampfkochtopf Weltsozialforum, der diesmal durch die tropische Hitze zusätzlich aufgeheizt wird, auch zu leisten ist, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall aber ist das Weltsozialforum eine einmalige Gelegenheit der Vernetzung ausserhalb von Europa und Nordamerika. Die Debatte um die Finanzkrise und ihre Bewältigung wird durch diese Horizonterweiterung in jedem Fall vorankommen.

Andreas Missbach, Belém 27.1.2009

  Aufruf des Weltsozialforums in Belém zur Finanzkrise
  Mehr Infos zum Weltsozialforum 2009


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