Finanzkrise
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Optimismus im Auge des Sturms?  (21.05.08)

Gegenwärtig gibt es zwei Lager bei der Beurteilung der Finanzkrise. Für die einen, dazu gehört beispielsweise Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank und Vorsitzender der Banken-Lobby „Institute of International Finance“, ist das Schlimmste vorbei und es ist Zeit, zur Tagesordnung überzugehen. Andere warten gespannt auf eine zweite Verlust-Welle im Banksystem, diesmal ausgelöst von den Entwicklungen in der Realwirtschaft.

Für die Optimisten ist mit der Rettung der US-Bank Bear Stearns – die vor allem auch eine Rettung der Kreditgeber von Bear Stearns war – die Wende gekommen. Viele Risiko-Aufschläge sind zurückgegangen und die Märkte kommen wieder in Bewegung. Das könnte sogar bedeuten, dass einzelne Banken zuviel abgeschrieben haben, und die Verluste am Ende gar nicht so gross werden.

Das andere Lager, vertreten beispielsweise von Wirtschaftsprofessor Barry Eichengreen, fürchtet die Folgewirkungen einer Rezession in den USA. Dass die Rezession kommt, ist klar. Die Bau-Wirtschaft hat in den letzten Jahren eine wichtige Rolle für die Gesamt-Konjunktur gespielt. Bereits jetzt stehen unverkaufte Häuser für den Bedarf von 9 Monaten herum, hinzu kommen geschätzte 10 Millionen Häuser von Besitzern, die ihre Hypotheken nicht mehr bedienen können. Diese werden ebenfalls verkauft. Der private Hausbau fällt als Wachstums-Motor aus.

Feedback der Finanzkrise: Bankrotte und Pleiten

Die wichtigsten Rückkopplungen der realwirtschaftlichen Rezession ans Finanzsystem laufen über Bankrotte von Unternehmen und zahlungsunfähige Individuen. Der Wert der Kreditderivate, die gegen den Ausfall von Zahlungen auf Unternehmens-Anleihen versichern sollen, so genannte Credit Default Swaps, hat von 5’000 Milliarden Dollar 2005 auf das zehnfache nur zwei Jahre später zugenommen. Wie dieses System auf eine Welle von Bankrotten reagiert, kann niemand voraussehen, und wie zu Beginn der Subprime-Krise ist nicht bekannt, wer die Risiken trägt. Die Unternehmens-bankrotte haben jedenfalls bereits deutlich zu genommen.

Der zweite Unsicherheits-Herd sind die US-Konsumierenden. Deren Verschuldung stieg von 6’400 Milliarden Dollar zur Jahrtausendwende auf 13’000 Milliarden Dollar Ende 2006. Ein Teil davon betrifft Kreditkartenschulden. Auch die Risiken, dass Kreditkartenschulden nicht bezahlt werden, wurden verbrieft und weitergereicht. Eine solche zweite, realwirtschaftlich induzierte Welle von Verlusten auf Derivaten, würde auf jeden Fall die Banken treffen, welche bereits empfindlich geschwächt sind.

Der berühmte US-Ökonom und N. Y. Times- Kolumnist Paul Krugman hingegen bleibt auch dann pessimistisch, wenn die Optimisten Recht behielten. Er stellt fest, dass nun, in einer Phase der vorläufigen Entspannung, die Forderungen nach Regulierung weniger Gehör erhalten. So wiegelt Josef Ackermann in der Frankfurter Rundschau bereits heftig ab: „Es wäre (…) völlig falsch und schädlich für unser künftiges Wirtschaftswachstum und unseren Wohlstand, Finanz-innovationen wie Kreditderivate oder Verbriefungen generell zu dämonisieren.“ Wenn das Finanzsystem jetzt aber nicht reformiert wird, dann wird die nächste Krise, so Krugman, umso grösser ausfallen.

Entweder steht der Welt nun also eine Erholung mit einer grösseren Krise später ins Haus, oder die nächste Welle der aktuellen Krise folgt bald – keine besonders erfreulichen Aussichten.

Andreas Missbach