Finanzkrise
Todsichere Geschäfte (15.05.08)
Explodierende Nahrungsmittelpreise bedeuten Hungerrevolten in vielen Ländern, aber auch boomende Warenterminbörsen und goldene Geschäfte. Vieles spricht dafür, dass die Börse die Preise hochtreibt. |
2006 war für den internationalen Währungsfonds (IWF) noch alles klar: Spekulationen mit Rohstoffen folgen den Preisentwicklungen, aber bewirken sie nicht. Verantwortlich für die Preissteigerungen seien demnach die stärkere Nachfrage nach Nahrungsmitteln durch das boomende China, sowie die Nachfrage nach Agro-Treibstoffen. Gleichzeitig sei ein geringeres Angebot durch schlechtere Ernten verantwortlich für den Preisanstieg. Als der IWF sich diesen März darüber wunderte, warum die Rohstoffpreise trotz Rezession in den USA weiter stiegen, kam er zum Schluss, die Preise seien zu einem grossen Teil finanzgetrieben.
Auch Rainer Flassbeck, Ökonom bei der UNO-Organisation für Handel und Entwicklung (Unctad) ist überzeugt, dass die Spekulation eine entscheidende preistreibende Rolle spielt. Beweisen kann er das zwar auch nicht, aber er nennt Indizien: Reis wird nicht für Agrotreibstoffe gebraucht, dennoch ist der Preis noch stärker gestiegen als bei Weizen, Soja und Mais. Zudem nehmen Bevölkerung und Wohlstandsniveau in Asien seit Jahren kontinuierlich zu. Einen sprunghaften Preisanstieg wie in den letzten Monaten kann das chinesische Wirtschaftswunder also nicht erklären.
Hingegen haben sich die Zustände in den Warenterminbörsen dramatisch verändert. Bis vor einigen Jahren wurden sie vor allem als Handelsplattform von grossen Produzenten und Verbrauchern genutzt. Der Bauer hatte Angst die Preise könnten bis zur Ernte fallen, die Grossbäckerei wollte sich vor einem überraschenden Preisanstieg schützen. So einigten sie sich auf einen „Future“-Kontrakt mit einem Preis irgendwo in der Mitte, und beide Parteien wussten so, wie viel sie zukünftig für ihre Produkte erhalten würden, bzw. wie viel dafür gezahlt werden müsste. Spekulanten allerdings handeln mit sog. „Futures“, ohne Interesse an einem realen Kauf oder Verkauf zu haben. Sie möchten lediglich von der Preisentwicklung profitieren.
Die gehandelten Positionen an der weltweit führenden Warenterminbörse von Chicago sind seit 2005 extrem gestiegen: Beim Weizen beispielsweise von 2,4 Millionen Tonnen auf 23,1 Millionen Tonnen und beim Reis von 13’000 Tonnen auf 141’000 Tonnen. Seit Anfang des Jahres nahm alleine die Zahl der gehandelten Kontrakte um 20 Prozent zu.
Bei einem bestimmten Weizentyp halten Finanz-Investoren die Rechte zum Kauf (denn das ist ein Future) von zwei kompletten Ernten. Eine Ernte kann weder zweimal verkauft noch zweimal gegessen werden, es handelt sich also auch wieder um eine spekulative Blase. Hedge Funds, Pensionsfonds und andere Finanz-Investoren haben nach dem Platzen der Immobilienblase die steigenden Rohstoffpreise ins Visier genommen und umgeschichtet. Und es geschieht, was bei einem starken Zufluss von Finanzkapital (bei einer sich füllenden Blase) immer geschieht: Preisausschläge nehmen zu und die Preise werden aufgebläht.
Irgendwann werden die spekulativ hochgepeitschten Preise zwar runterkommen, aber bis dann fordert der Hunger jener, die sich diese Preise nicht leisten können, seine Opfer. Wenn die Blase dann platzt, besteht die Gefahr, dass die Nahrungsmittelpreise so tief fallen, dass die Existenz von Bäuerinnen und Bauern weltweit bedroht wird. Für die InvestorInnen bleiben Hunger und zerstörte Existenzen Kollateral-Schäden, die sie nicht betreffen.
Andreas Missbach
Auch Rainer Flassbeck, Ökonom bei der UNO-Organisation für Handel und Entwicklung (Unctad) ist überzeugt, dass die Spekulation eine entscheidende preistreibende Rolle spielt. Beweisen kann er das zwar auch nicht, aber er nennt Indizien: Reis wird nicht für Agrotreibstoffe gebraucht, dennoch ist der Preis noch stärker gestiegen als bei Weizen, Soja und Mais. Zudem nehmen Bevölkerung und Wohlstandsniveau in Asien seit Jahren kontinuierlich zu. Einen sprunghaften Preisanstieg wie in den letzten Monaten kann das chinesische Wirtschaftswunder also nicht erklären.
Hingegen haben sich die Zustände in den Warenterminbörsen dramatisch verändert. Bis vor einigen Jahren wurden sie vor allem als Handelsplattform von grossen Produzenten und Verbrauchern genutzt. Der Bauer hatte Angst die Preise könnten bis zur Ernte fallen, die Grossbäckerei wollte sich vor einem überraschenden Preisanstieg schützen. So einigten sie sich auf einen „Future“-Kontrakt mit einem Preis irgendwo in der Mitte, und beide Parteien wussten so, wie viel sie zukünftig für ihre Produkte erhalten würden, bzw. wie viel dafür gezahlt werden müsste. Spekulanten allerdings handeln mit sog. „Futures“, ohne Interesse an einem realen Kauf oder Verkauf zu haben. Sie möchten lediglich von der Preisentwicklung profitieren.
Die gehandelten Positionen an der weltweit führenden Warenterminbörse von Chicago sind seit 2005 extrem gestiegen: Beim Weizen beispielsweise von 2,4 Millionen Tonnen auf 23,1 Millionen Tonnen und beim Reis von 13’000 Tonnen auf 141’000 Tonnen. Seit Anfang des Jahres nahm alleine die Zahl der gehandelten Kontrakte um 20 Prozent zu.
Bei einem bestimmten Weizentyp halten Finanz-Investoren die Rechte zum Kauf (denn das ist ein Future) von zwei kompletten Ernten. Eine Ernte kann weder zweimal verkauft noch zweimal gegessen werden, es handelt sich also auch wieder um eine spekulative Blase. Hedge Funds, Pensionsfonds und andere Finanz-Investoren haben nach dem Platzen der Immobilienblase die steigenden Rohstoffpreise ins Visier genommen und umgeschichtet. Und es geschieht, was bei einem starken Zufluss von Finanzkapital (bei einer sich füllenden Blase) immer geschieht: Preisausschläge nehmen zu und die Preise werden aufgebläht.
Irgendwann werden die spekulativ hochgepeitschten Preise zwar runterkommen, aber bis dann fordert der Hunger jener, die sich diese Preise nicht leisten können, seine Opfer. Wenn die Blase dann platzt, besteht die Gefahr, dass die Nahrungsmittelpreise so tief fallen, dass die Existenz von Bäuerinnen und Bauern weltweit bedroht wird. Für die InvestorInnen bleiben Hunger und zerstörte Existenzen Kollateral-Schäden, die sie nicht betreffen.
Andreas Missbach


