Finanzkrise
Profiteure der entfesselten Finanzmärkte, vereinigt Euch! (16.04.08)
Wer hat eigentlich von den entfesselten Finanzmärkten profitiert? Diese Frage ist für einmal einfach zu beantworten. Ein Blick auf die Einkommensstatistik genügt: das oberste Prozent. Dabei wäre eine gerechtere Einkommensverteilung auch ein Mittel zu mehr wirtschaftlicher Stabilität. |
Zwischen 1979, dem Beginn der Phase marktradikaler Regierungen, und 2005 haben die Einkommen der ärmsten Haushalte in den USA um 1,3 Prozent jährlich zugenommen. Bei den mittleren Einkommen betrug der Zuwachs weniger als 1%, während das reichste Prozent um 200 Prozent zugelegt hat.
Ein wichtiger Grund dafür, dass die wachsende Ungleichheit nicht mehr Widerspruch der Mehrheit hervorrief, war die ebenfalls rasch wachsende Verschuldung, welche den „gefühlten Reichtum“ normaler Amerikanerinnen und Amerikaner jedoch erhöhte. Diese wachsende Verschuldung, unter anderem angetrieben durch steigende Hauspreise, schuf nicht nur Zocker-Renditen im Subprimemarkt, sondern auch die politische Akzeptanz für die Vereinnahmung dieser Renditen durch Superreiche. Damit dürfte jetzt jedoch Schluss sein.
Nur einmal war der Anteil des reichsten Prozent ähnlich hoch wie heute: In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Auch damals wuchsen die Profite und Topeinkommen ebenso rasch wie die Verschuldung. Investment Trusts besassen andere Investment Trusts, welche wiederum Investment Trusts besassen – sounds familiar, oder?
Er spricht zu Recht von einer „grossen Kompression“. Die Realeinkommen des reichsten Prozent der AmerikanerInnen war (nach Steuern) Mitte der 1950er Jahre um 20 bis 30 Prozent niedriger als eine Generation zuvor. Bei den obersten 0,1 Prozent hatte sich das Realeinkommen sogar mehr als halbiert. Wie das? Durch Steuern. Mitte der fünfziger Jahre lag der Spitzensteuersatz auf Einkommen in den USA bei 91 Prozent, der Erbschaftssteuersatz bei 77 Prozent und die Bundessteuer auf Unternehmensgewinne betrug 45 Prozent.
Gleichmässig verteilte Einkommen würden auch heute global zu mehr wirtschaftlicher Stabilität beitragen. Allein schon deswegen, weil weniger Spielgeld fürs Finanzcasino zur Verfügung stehen würde. In den letzten Jahren kamen 40 Prozent der Einlagen in Hedge Funds von Superreichen. Symptomatisch für die heutige Situation ist jedoch, dass Einkommen von Hedge Funds Managern in den USA geringer besteuert werden als die Einkommen jener Menschen, die ihre Büros putzen.
Andreas Missbach
Gefühlter Reichtum
Noch deutlicher wird das Bild, wenn zu den Einkommen noch deren Besteuerung betrachtet wird. Das reichste Prozent der US-Haushalte hat sein Einkommen dann sogar um 228 Prozent gesteigert. Rasch wachsende Einkommen wurden also mit Steuererleichterungen belohnt. Die Steuersenkungen der Regierung Bush sind dafür verantwortlich, dass von 2002 bis 2006 das reichste Prozent 3/4 des gesamten Einkommenswachstums für sich beanspruchen konnte. Die Schweiz ist übrigens nach den USA, Britannien und Spanien auf Rang vier in der Ungleichheitsstatistik der Industrieländer.Ein wichtiger Grund dafür, dass die wachsende Ungleichheit nicht mehr Widerspruch der Mehrheit hervorrief, war die ebenfalls rasch wachsende Verschuldung, welche den „gefühlten Reichtum“ normaler Amerikanerinnen und Amerikaner jedoch erhöhte. Diese wachsende Verschuldung, unter anderem angetrieben durch steigende Hauspreise, schuf nicht nur Zocker-Renditen im Subprimemarkt, sondern auch die politische Akzeptanz für die Vereinnahmung dieser Renditen durch Superreiche. Damit dürfte jetzt jedoch Schluss sein.
Nur einmal war der Anteil des reichsten Prozent ähnlich hoch wie heute: In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Auch damals wuchsen die Profite und Topeinkommen ebenso rasch wie die Verschuldung. Investment Trusts besassen andere Investment Trusts, welche wiederum Investment Trusts besassen – sounds familiar, oder?
The great compression
Paul Krugman analysiert in seinem 2007 erschienenen Buch „The Conscience of a Liberal“ die Auswirkungen des New Deal, den Präsident Roosevelt als wirtschaftspolitisches Massnahmenbündel gegen die grosse Depression der 1930er Jahre einsetzte. Seine Kolumnen in der New York Times sind ebenso sehr lesenswert.Er spricht zu Recht von einer „grossen Kompression“. Die Realeinkommen des reichsten Prozent der AmerikanerInnen war (nach Steuern) Mitte der 1950er Jahre um 20 bis 30 Prozent niedriger als eine Generation zuvor. Bei den obersten 0,1 Prozent hatte sich das Realeinkommen sogar mehr als halbiert. Wie das? Durch Steuern. Mitte der fünfziger Jahre lag der Spitzensteuersatz auf Einkommen in den USA bei 91 Prozent, der Erbschaftssteuersatz bei 77 Prozent und die Bundessteuer auf Unternehmensgewinne betrug 45 Prozent.
Gleichmässig verteilte Einkommen würden auch heute global zu mehr wirtschaftlicher Stabilität beitragen. Allein schon deswegen, weil weniger Spielgeld fürs Finanzcasino zur Verfügung stehen würde. In den letzten Jahren kamen 40 Prozent der Einlagen in Hedge Funds von Superreichen. Symptomatisch für die heutige Situation ist jedoch, dass Einkommen von Hedge Funds Managern in den USA geringer besteuert werden als die Einkommen jener Menschen, die ihre Büros putzen.
Andreas Missbach


