Finanzkrise
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Multiples Regelversagen  (09.04.08)

Es gibt zwar immer noch Stimmen wie diejenige des alterstarrsinnigen früheren US-Notenbank-Chefs Alan Greenspan, der vor den Folgen von Regulierung warnt und daran glaubt, dass „freie, kompetitive Märkte der unübertroffene Weg sind, Wirtschaften zu organisieren“ (Zitat aus der Financial Times vom 7.4.2008). Clive Crook, der sich ebenfalls als „pro market type“ bezeichnet, bringt dagegen in derselben Zeitung die vorherrschende Stimmung auf den Punkt: „Grossflächiges regulatorisches Versagen ist zweifellos im Zentrum dessen, was passierte“.

Dieses Versagen hat vier Facetten:

Fehlende Regulierung:

Jene Finanzinstitute in den USA, die Subprime-Hypotheken vergaben, waren so gut wie gar nicht reguliert.

Quasi-Regulierung:

Als Quasi-Regulierung lässt sich die Übertragung von wichtigen Überwachungsfunktionen an privatwirtschaftliche Akteure bezeichnen. Dies ist bei der Arbeit mit Rating-Agenturen der Fall. Sie sollten objektive Informationen über die Kreditwürdigkeit bieten. Bei der Bewertung von Hypothekenpapieren und Derivaten wurden die Rating-Agenture jedoch von den Auftrag gebenden Banken bezahlt.

Selbstregulierung:

Selbstregulierung und „Marktdisziplin“ dominieren die bestehenden Kontrollregimes. Die internationale Eigenkapitalvereinbarung des Basler Ausschuss für Bankenaufsicht („Basel II“) beispielsweise erlaubt den Grossbanken, sich für die Berechnung der Eigenmittel auf ihre interne Risikobewertung abzustützen. Die Auslagerung von Risiken aus der Bilanz in „Special Purpose Vehicles“ (SIV) oder der Kauf von Kreditderivaten (Versicherung gegen Ausfallrisiken) reduzierte in den internen Einschätzungen der Banken die Risiken und damit die notwendigen Eigenmittel. Die ausgelagerten SIV-Risiken sind bereits als Verluste und Abschreiber zurückgekommen. Bei den Kreditderivaten bestehen grösste Zweifel, dass die Risiken im Krisenfall tatsächlich gedeckt sind. Interne Risikobewertungssysteme führen unweigerlich zu einer pro-zyklischen Dynamik, Blasen werden ebenso verstärkt wie Krisen.

Umgehung von Regulierung:

Als Argument für marktnahe Regulierung „light“ wird häufig angeführt, strengere Regulierungen würden ohnehin umgangen werden. Tatsächlich ist die Auslagerung von Risiken in SIV-Zweckgesellschaften eine Form der Umgehung der Eigenmittelvorschriften. Kaum regulierte Steueroasen, wo die SIV registriert sind, ermöglichen solche Schleichwege (vornehm „regulatory arbitrage“ genannt).

Dieser letzte Punkt zeigt vor allem eines: Jeder Versuch, zukünftige Krisen durch vernünftige Regulierung zu verhindern, kann nicht auf ein einzelnes Land oder eine Ländergruppe beschränkt bleiben. Auch die Problematik der Steueroasen muss angegangen werden.

Andreas Missbach


Zur Finanzkrise: Sonderausgabe des EvB-Magazins (11/ 2007)

Das Kapital braucht Kontrolle

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