Finanzkrise
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Marktbesoffenheitskater  (27.03.08)

Einer der Gründe dafür, dass sich das Finanzsystem in einer Abwärtsspirale befindet, ist das Risikomanagement der Banken. In den marktbegeisterten 1990er Jahren wurde die Bewertungsmethode für Bankbilanzen geändert. Ihre Guthaben werden seither zu Marktpreisen bewertet („marking to market“). Hinter dieser Änderung steht die Überzeugung, dass Finanzmärkte effizient sind und der Marktwert immer den richtigen Wert darstellt.

Banken müssen genug Kapital halten, um mögliche Verluste in ihrem Portfolio zu verkraften. In der gegenwärtigen Situation steigt sowohl der „value at risk“, also die möglichen Verluste, zudem sind die Marktpreise selbst für sicherste Wertpapiere gefallen, diese werden also niedriger bewertet. Die Banken müssen deshalb mehr Kapital aufnehmen oder die Risiken reduzieren. Letzteres tun sie, in dem sie Wertpapiere verkaufen, höhere Sicherheitsmargen für ihre Kredite verlangen (dies wird „hair cut“ – Haarschnitt – genannt) oder Kredite nicht verlängern. Jeder Versuch einer einzelnen Bank ihre Risiken zu reduzieren treibt Preise nach unten oder Schuldner in die Zahlungsunfähigkeit, schafft also neue Risiken, die wiederum eine Anpassung verlangen – deshalb die Abwärtsspirale.

Diese könnte nur dann gestoppt werden, wenn die Banken entweder so viel neues Kapital aufnehmen könnten, um die höheren Risiken zu tragen oder die Preise steigen und das Risiko zurück geht. Beides ist nicht gerade wahrscheinlich. Banken werden also weiter versuchen, Risiken aus ihren Bilanzen zu schaffen. Die Liquidität, welche die US und andere Zentralbanken anbieten, ist ebenfalls kein Mittel gegen zu viele Risiken in den Bankbilanzen. Denn bisher können die Banken schlechte Wertpapiere nur temporär gegen gute eintauschen, sie müssen sie später wieder zurück nehmen.

In den nächsten Wochen und Monaten wird also mit Sicherheit eine heisse Debatte geführt werden ob und unter welchen Bedingungen die Zentralbanken den Banken die faulen Kredite abkaufen sollen („bail out“). Eines steht jedenfalls schon fest, die Banken müssen gezwungen werden, in Zukunft sehr viel mehr Kapital zu halten. Das war nämlich der Clou am „marking to the market“, so lange die Preise generell stiegen und Risiken niedrig bewertet wurden, konnten die Banken immer mehr Kredit vergeben. Die Rechnung dafür, wird jetzt präsentiert.

Andreas Missbach