Finanzkrise
Hedge Fun (20.03.08)
Hedge Funds sind hoch verschuldete Vehikel, die darauf setzen, dass ein wenig wahrscheinliches Ereignis niemals eintritt. Kann das gut gehen? Für die Hedge-Fund Manager auf jeden Fall. |
Dass ein gewisser Alfred Winslow Jones 1949 den ersten Hedge Fund gründete, ist ungefähr das einzige worüber beim Thema Hedge Funds Einigkeit zu bestehen scheint. Es gibt keine rechtliche oder auch nur allgemein akzeptierte Definition. Der „Economist“ griff deshalb zu folgendem Bild: „Es ist als ob man ein Monster beschriebe: Kein einzelnes Kennzeichen ist ausreichend, aber man erkennt es dennoch, wenn man eines sieht.“
Es ist unmöglich, Hedge Funds darüber zu definieren, was sie tun, d.h. welche Investitionsstrategie“ sie anwenden. Hedge Fund-Manager sind vollkommen frei darin, wie sie das Geld ihrer Investoren verwenden und ausser gegenüber den Investoren sind sie niemandem Rechenschaft pflichtig. Es gibt wohl hunderte von verschiedenen Strategien, mit denen versucht wird in allen Weltregionen und in allen Marktsituationen (aufwärts, seitwärts und in letzter Zeit vor allem abwärts) eine höhere Rendite zu erzielen als der Durchschnitt.
Hedge Funds sind Private „Partnerships“ und kaum reguliert. Wegen der fehlenden Aufsicht und aus Steuergründen sind sie in Steueroasen domiziliert, ca. 80 Prozent der über 8000 Hedge-Funds weltweit sind auf den Cayman Islands registriert.
Richtig lukrativ sind die Hedge Funds vor allem für ihre Manager. Ein typisches „Lohnmodell“ ist 2 – 20 (two twenty). Das heisst der Manager erhält in jedem Fall 2 Prozent Managementgebühren und 20 Prozent vom Gewinn (manchmal erst wenn der Gewinn über einer gewissen Schwelle liegt). Diese Anreizstruktur ist der Grund dafür, dass Hedge-Funds grosse Risiken eingehen. Ein Hochrisiko Investmentmodell setzt darauf, dass ein Ereignis, das eintreten kann (zum Beispiel fallende Hauspreise) nicht eintritt. Das kann einige Jahre gut gehen und in dieser Zeit kassieren die Manager (und die Investoren). Je länger ein solcher Fonds operiert, desto grösser ist die Chance, dass die unerwünschte Situation eintritt, doch die Verluste treffen dann nicht die Manager.
Viele Hedge Funds haben aber auch nur deshalb grosse Gewinne gemacht, weil sie nicht nur mit dem Geld ihrer Investoren, sondern zusätzlich mit viel geliehenem Geld (das wird „leverage“ übersetzt Hebel genannt) zocken. Der letzte Woche kollabierte Hedge-Fund Carlyle Capital hatte für jeden Dollar eigenes Kapital 30 Dollar Schulden aufgenommen (Carlyle Capital ist ein börsenkotierter Fonds der Private Equity Firma Carlyle an der die Familie Bush und ihre Entourage beteiligt ist). Solange Geld billig ist, wie bis zum Sommer 2007, lassen sich so leicht überdurchschnittliche Renditen erzielen. Der Gewinn, der mit dem eigenen und dem aufgenommenen Kapital gemacht wurde, kam zum grössten Teil dem eigenen Einsatz zu Gute, da für die aufgenommenen Schulden nur geringe Zinsen bezahlt werden mussten. In der gegenwärtigen Kredit- und Liquiditätskrise werden allerdings viele Hedge-Funds von ihrer hohen Verschuldung ausgehebelt.
Mit lediglich 11,8 Milliarden Dollar eigenem Aktienkapital hatte die Bank 395 Milliarden Dollar in ihren Büchern. Um sich zu finanzieren war Bear Stearns deshalb auf kurzfristige Kredite angewiesen. Als diese nicht mehr zu erhalten waren, hatte sie keine Chance mehr. Die US-Zentralbank hat darauf zum ersten Mal seit 1930 einer Investment Bank direkt Geld gegeben. Bear Stearns wird aber kaum überleben. Ihre profitablen Reste werden wohl von der Investmentbank JPMorgan übernommen werden, die an der Rettungsaktion beteiligt war.
Andreas Missbach
Es ist unmöglich, Hedge Funds darüber zu definieren, was sie tun, d.h. welche Investitionsstrategie“ sie anwenden. Hedge Fund-Manager sind vollkommen frei darin, wie sie das Geld ihrer Investoren verwenden und ausser gegenüber den Investoren sind sie niemandem Rechenschaft pflichtig. Es gibt wohl hunderte von verschiedenen Strategien, mit denen versucht wird in allen Weltregionen und in allen Marktsituationen (aufwärts, seitwärts und in letzter Zeit vor allem abwärts) eine höhere Rendite zu erzielen als der Durchschnitt.
Lukrativität und Risiko
Dennoch haben Hedge Funds ein paar Gemeinsamkeiten: Hedge Funds sind private Investitionsfonds, die nur gewissen Investoren offen stehen. Traditionellerweise sind das „High Net Worth Individuals“, also jene Zeitgenossen, die über ein frei anlegbares Vermögen von mindestens einer Million Dollar verügen. Diese stellen immer noch die Mehrheit der Hedge Fund-Investoren dar, zunehmend investieren jedoch auch Pensionsfonds (zum Beispiel auch die Pensionskasse der Stadt Zürich), andere Anlagefonds und Versicherungen in Hedge Funds. Banken wiederum bastelten sich vor dem Ausbruch der Krise ihre eigenen Hedge Funds, um im heissen Geschäft mit den Giftmüll-Hypotheken-Derivaten mit zu mischen.Hedge Funds sind Private „Partnerships“ und kaum reguliert. Wegen der fehlenden Aufsicht und aus Steuergründen sind sie in Steueroasen domiziliert, ca. 80 Prozent der über 8000 Hedge-Funds weltweit sind auf den Cayman Islands registriert.
Richtig lukrativ sind die Hedge Funds vor allem für ihre Manager. Ein typisches „Lohnmodell“ ist 2 – 20 (two twenty). Das heisst der Manager erhält in jedem Fall 2 Prozent Managementgebühren und 20 Prozent vom Gewinn (manchmal erst wenn der Gewinn über einer gewissen Schwelle liegt). Diese Anreizstruktur ist der Grund dafür, dass Hedge-Funds grosse Risiken eingehen. Ein Hochrisiko Investmentmodell setzt darauf, dass ein Ereignis, das eintreten kann (zum Beispiel fallende Hauspreise) nicht eintritt. Das kann einige Jahre gut gehen und in dieser Zeit kassieren die Manager (und die Investoren). Je länger ein solcher Fonds operiert, desto grösser ist die Chance, dass die unerwünschte Situation eintritt, doch die Verluste treffen dann nicht die Manager.
Viele Hedge Funds haben aber auch nur deshalb grosse Gewinne gemacht, weil sie nicht nur mit dem Geld ihrer Investoren, sondern zusätzlich mit viel geliehenem Geld (das wird „leverage“ übersetzt Hebel genannt) zocken. Der letzte Woche kollabierte Hedge-Fund Carlyle Capital hatte für jeden Dollar eigenes Kapital 30 Dollar Schulden aufgenommen (Carlyle Capital ist ein börsenkotierter Fonds der Private Equity Firma Carlyle an der die Familie Bush und ihre Entourage beteiligt ist). Solange Geld billig ist, wie bis zum Sommer 2007, lassen sich so leicht überdurchschnittliche Renditen erzielen. Der Gewinn, der mit dem eigenen und dem aufgenommenen Kapital gemacht wurde, kam zum grössten Teil dem eigenen Einsatz zu Gute, da für die aufgenommenen Schulden nur geringe Zinsen bezahlt werden mussten. In der gegenwärtigen Kredit- und Liquiditätskrise werden allerdings viele Hedge-Funds von ihrer hohen Verschuldung ausgehebelt.
Another one bites the dust
Hedge Funds spielten auch beim Kollaps der fünftgrössten US-Investmentbank Bear Stearns eine grosse Rolle. Die Schockwellen davon waren Anfang Woche in den Strassen Londons spürbar: „Banks collapse, London panicks“ hiess es auf den Zeitungsaushängen. Milliardenverluste von zwei Bear Stearns Hedge-Funds mit den wohlklingenden Namen „high grade structured credit fund“ und „high grade structured enhanced leverage fund“ waren im Frühsommer 2007 die ersten sichtbaren Zeichen der Subprime-Krise (auf Youtube ist dazu eine geniale Parodie des englischen Komiker Duos „The Long Johns“). Und die Bank Bear Stearns war selbst so etwas wie ein gigantischer Hedge Fund mit einem riesigen Hebel.Mit lediglich 11,8 Milliarden Dollar eigenem Aktienkapital hatte die Bank 395 Milliarden Dollar in ihren Büchern. Um sich zu finanzieren war Bear Stearns deshalb auf kurzfristige Kredite angewiesen. Als diese nicht mehr zu erhalten waren, hatte sie keine Chance mehr. Die US-Zentralbank hat darauf zum ersten Mal seit 1930 einer Investment Bank direkt Geld gegeben. Bear Stearns wird aber kaum überleben. Ihre profitablen Reste werden wohl von der Investmentbank JPMorgan übernommen werden, die an der Rettungsaktion beteiligt war.
Andreas Missbach


