Finanzkrise
Stairways to hell (12.03.08)
Wenn heute immer noch von «Subprime»-Krise gesprochen wird, ist dies ungefähr so angebracht, wie einen Vulkanausbruch mit den Worten zu beschreiben, dass es ein dunkles Wölklein über dem Gipfel des Vulkans hat. Längst ist aus der Krise im untersten Segment des US-Hypothekenmarkts eine Kredit- und Bankenkrise geworden. Auch wenn in den nächsten Monaten das Finanzsystem bestimmt noch weitere Überraschungen bereit hält, so lassen sich jetzt schon sechs Bereiche ausmachen, in denen die Krise weiter toben wird. |
Die Preise für private Immobilien in den USA sind immer noch relativ hoch, nachdem sie in den letzten Jahren um 85 Prozent gestiegen sind. Bisher sind sie im Landesdurchschnitt erst um 10 Prozent zurückgegangen. Der US-Ökonom Robert J. Shiller schätzt, dass die Hauspreise inflationsbereinigt halbiert werden könnten. Schon bei einem Preisverfall von 30 Prozent, wäre der Wert der Häuser von 20 Millionen US-AmerikanerInnen geringer, als derjenige Ihrer Hypotheken. Die Zahlungsunfähigkeit wird entsprechend zunehmen.
Die Banken haben bisher auch im Subprime Segment immer nur so viel abgeschrieben, wie unmittelbar nötig. Hier kann es zu weiteren Verlusten kommen. Ausfälle werden zunehmend auch Hypotheken von „besseren“ Schuldnern sowie die darauf basierenden Derivate betreffen. Auch die Preise für Geschäftsliegenschaften können in die Knie gehen und eine Kettenreaktion mit weiteren Verlusten von 100 bis 200 Milliarden Dollar auslösen.
Die US-Konsumentinnen und Konsumenten lebten in den letzten Jahren auf Pump. Auch Kreditkartenschulden, Kredite für den Autokauf oder fürs Studium wurden wie die Subprime-Hypotheken in Wertpapiere verwandel (verbrieft) und weiterverkauft. Je stärker die Rezession ausfällt, desto mehr US-BürgerInnen werden nicht mehr in der Lage sein, ihre Konsumkredite zu bedienen.
In den USA gibt es spezialisierte Institutionen, die lange Zeit nichts anderes gemacht haben, als Anleihen von Gemeinden zu versichern. Dadurch erhielten die Gemeinden ein besseres Rating und konnten günstiger Geld aufnehmen. Ende der 90er Jahren wurde diesen „Monolines“ genannten Unternehmen erlaubt, auch Finanzinnovationen zu versichern. Durch die Ausfälle bei diesen Papieren drohen die Ratingagenturen mit einer Herabstufung der Anleiheversicherer, was zu einem Wertverlust von 20 bis 150 Milliarden Dollar bei den von Ihnen versicherten Derivate führen wird.
Der Prozentsatz der jährlichen Bankrotte in den USA war 2007 mit 0,6% im historischen Vergleich sehr tief. Die Zahl der Bankrotte wird angesichts der Finanzkrise unweigerlich zunehmen, vor allem wenn es zu einer anhaltenden Rezession kommt. Das Risiko von Unternehmensbankrotten wurde in den letzten Jahren in Form von „Credit Default Swaps“ (CDS) ebenfalls weiterverkauft. Unternehmensbankrotte treffen also nicht nur direkt kreditgebende Banken. Die Schätzungen für die Verluste bei CDS variieren von 20 bis 250 Milliarden Dollar.
Hedge Funds spielten als Käufer von besonders risikoreichen Finanzinnovationen für viele Märkte eine wichtige Rolle. Da Hedge Funds kaum reguliert sind, haben sie auch nicht dieselben Offenlegungspflichten wie Banken. Grosse Abschreiber sind hier also keine Überraschung, betroffen sind davon wiederum die Banken, die den Hedge-Funds Kredite gegeben haben. Sinkt der Wert der Anlagen der Hedge Funds, müssen sie zudem den Banken bis zu einer Mindestdeckung Geld als Sicherheiten nachschiessen, weshalb es schon in den letzten Monaten immer wieder zu Notverkäufen kam.
Die Banken mussten viele Risiken, die sie an Briefkastenfirmen („Special Investment Vehicles“ SIV) ausgelagert hatten, zurück in Ihre Bücher nehmen. Zudem sitzen sie auf Krediten an Private-Equity-Gesellschaften, die sie eigentlich verbriefen und weiterverkaufen wollten. Die oben beschriebenen Entwicklungen werden Ihre Bilanzen zusätzlich belasten. Insgesamt, so schätzt Nouriel Roubini, Professor an der Stern School of Business in New York, die Verluste im Finanzsystem auf 1’000 Milliarden Dollar. Stellt man diese Summe ins Verhältnis zum Eigenkapital der Banken, das sich laut Goldman Sachs auf 1’600 Milliarden US-Dollar beläuft, so zeigt sich das Ausmass der Probleme.
Die Banken werden ihre Kreditvergabe drastisch zurückfahren müssen. Wenn dies nicht nur die Kredite an Grossspekulanten wie Hedge-Funds und Private-Equity-Gesellschafte betrifft, sondern auch die Finanzierung der Realwirtschaft, dann pflanzt sich die Krise dort weiter fort. Eine Abwärtsspirale aus Unternehmenszusammenbrüchen und weiteren finanziellen Verlusten wäre die Folge.
Andreas Missbach
Die Banken haben bisher auch im Subprime Segment immer nur so viel abgeschrieben, wie unmittelbar nötig. Hier kann es zu weiteren Verlusten kommen. Ausfälle werden zunehmend auch Hypotheken von „besseren“ Schuldnern sowie die darauf basierenden Derivate betreffen. Auch die Preise für Geschäftsliegenschaften können in die Knie gehen und eine Kettenreaktion mit weiteren Verlusten von 100 bis 200 Milliarden Dollar auslösen.
Konsumkredite
Die US-Konsumentinnen und Konsumenten lebten in den letzten Jahren auf Pump. Auch Kreditkartenschulden, Kredite für den Autokauf oder fürs Studium wurden wie die Subprime-Hypotheken in Wertpapiere verwandel (verbrieft) und weiterverkauft. Je stärker die Rezession ausfällt, desto mehr US-BürgerInnen werden nicht mehr in der Lage sein, ihre Konsumkredite zu bedienen.
Anleihenversicherer (Monolines)
In den USA gibt es spezialisierte Institutionen, die lange Zeit nichts anderes gemacht haben, als Anleihen von Gemeinden zu versichern. Dadurch erhielten die Gemeinden ein besseres Rating und konnten günstiger Geld aufnehmen. Ende der 90er Jahren wurde diesen „Monolines“ genannten Unternehmen erlaubt, auch Finanzinnovationen zu versichern. Durch die Ausfälle bei diesen Papieren drohen die Ratingagenturen mit einer Herabstufung der Anleiheversicherer, was zu einem Wertverlust von 20 bis 150 Milliarden Dollar bei den von Ihnen versicherten Derivate führen wird.
Unternehmensbankrotte
Der Prozentsatz der jährlichen Bankrotte in den USA war 2007 mit 0,6% im historischen Vergleich sehr tief. Die Zahl der Bankrotte wird angesichts der Finanzkrise unweigerlich zunehmen, vor allem wenn es zu einer anhaltenden Rezession kommt. Das Risiko von Unternehmensbankrotten wurde in den letzten Jahren in Form von „Credit Default Swaps“ (CDS) ebenfalls weiterverkauft. Unternehmensbankrotte treffen also nicht nur direkt kreditgebende Banken. Die Schätzungen für die Verluste bei CDS variieren von 20 bis 250 Milliarden Dollar.
Hedge Funds
Hedge Funds spielten als Käufer von besonders risikoreichen Finanzinnovationen für viele Märkte eine wichtige Rolle. Da Hedge Funds kaum reguliert sind, haben sie auch nicht dieselben Offenlegungspflichten wie Banken. Grosse Abschreiber sind hier also keine Überraschung, betroffen sind davon wiederum die Banken, die den Hedge-Funds Kredite gegeben haben. Sinkt der Wert der Anlagen der Hedge Funds, müssen sie zudem den Banken bis zu einer Mindestdeckung Geld als Sicherheiten nachschiessen, weshalb es schon in den letzten Monaten immer wieder zu Notverkäufen kam.
Geschwächte Banken
Die Banken mussten viele Risiken, die sie an Briefkastenfirmen („Special Investment Vehicles“ SIV) ausgelagert hatten, zurück in Ihre Bücher nehmen. Zudem sitzen sie auf Krediten an Private-Equity-Gesellschaften, die sie eigentlich verbriefen und weiterverkaufen wollten. Die oben beschriebenen Entwicklungen werden Ihre Bilanzen zusätzlich belasten. Insgesamt, so schätzt Nouriel Roubini, Professor an der Stern School of Business in New York, die Verluste im Finanzsystem auf 1’000 Milliarden Dollar. Stellt man diese Summe ins Verhältnis zum Eigenkapital der Banken, das sich laut Goldman Sachs auf 1’600 Milliarden US-Dollar beläuft, so zeigt sich das Ausmass der Probleme.
Die Banken werden ihre Kreditvergabe drastisch zurückfahren müssen. Wenn dies nicht nur die Kredite an Grossspekulanten wie Hedge-Funds und Private-Equity-Gesellschafte betrifft, sondern auch die Finanzierung der Realwirtschaft, dann pflanzt sich die Krise dort weiter fort. Eine Abwärtsspirale aus Unternehmenszusammenbrüchen und weiteren finanziellen Verlusten wäre die Folge.
Andreas Missbach


