Refinanzierung von Mikrokrediten
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Mikrofinanz als kommerzielle Geldanlage?  (07.11.07)
Die Verbindung von kommerzieller Geldanlage und Refinanzierung von Mikrokredit-Institutionen, wie sie der responsAbility Fonds betreibt, ist umstritten. Kritische Beobachter weisen darauf hin, dass dadurch die lokalen Kreisläufe, die einen Teil des Erfolgs von Mikrokreditprojekten ausmachen, aufgebrochen werden. Dies berge Gefahren. Durch den Zugang zum «grossen Geld» könnten Mikrofinanzinstitutionen in Versuchung geraten, bei der Vergabe von Krediten unvorsichtig zu werden. Wenn Mikrokredite aber an Menschen vergeben werden, die von ihrer strukturellen Situation her gar nicht in der Lage sind, ausreichend Profit zur Zahlung der Zinsen und der Rückzahlungen zu erwirtschaften, droht deren Überschuldung. Es gibt allerdings bisher keine Hinweise, dass kommerzielle Kredite an Mikrofinanzinstitutionen völlig kontraproduktiv wären. Den responsAbility Fonds gibt es noch nicht lange genug, um alle Wirkungen und Nebenwirkungen abschliessend zu beurteilen. Das folgende Interview mit Klaus Tischhauser, dem Gründer von responsAbility, beleuchtet noch einige weitere kritische Fragen:

Bisher waren Entwicklungshilfegelder wichtig für die Entwicklung des Mikrofinanzsektors. Können kommerzielle Gelder die Entwicklungshilfe ersetzen?

Klaus Tischhauser: Nein, sie sind eine wichtige Ergänzung. Es ist heute so, dass immer mehr Mikrofinanzinstitutionen, die durch öffentliche und private Entwicklungsgelder aufgebaut wurden, in der Lage sind, eine steigende Zahl von Kundinnen und Kunden zu erreichen und ihre Kosten zu decken. Es macht wenig Sinn, Entwicklungshilfegeld für die Refinanzierung einzusetzen, wenn der Privatsektor dazu bereit und in der Lage wäre. Durch den verstärkten Einbezug des Privatsektors werden so wieder Entwicklungshilfegelder frei, die an anderer Stelle dringender gebraucht werden. Etwa in der Förderung der ländlichen Mikrofinanz oder im Aufbau neuer, innovativer Modelle.

Sie wollen ihren Anlegern eine Rendite geben und haben selbst Verwaltungskosten. Steigen dadurch nicht die Zinskosten für die Menschen, die Mikrokredite aufnehmen?

Klaus Tischhauser: Für arme Menschen sind die Zinsen oft nicht die zentrale Frage, sondern ob sie überhaupt einen Kredit bekommen. Die Höhe der Zinsen wird zu einem Grossteil von den lokalen operativen Kosten beeinflusst. Will also eine Mikrofinanzinstitution tiefere Zinsen anbieten können, muss sie hier den Hebel ansetzen. Ein Weg, um diese Kosten zu senken, ist eine ausreichend grosse Kundenbasis, man muss also eine kritische Grösse überwinden. Durch das Bereitstellen der dafür nötigen Refinanzierungsmittel tragen wir zu tieferen Zinsen bei. Unsere Verwaltungskosten sind übrigens mit etwa 2,9% extrem tief. Und schliesslich müssen wir darauf achten, dass wir nicht mit zu billigem, subventioniertem Geld die Anreize für lokale Refinanzierung etwa durch Geschäftsbanken oder Sparen zerstören.

Und was entgegnen Sie Kritikerinnen und Kritikern, die darauf bestehen, dass Ihr Fondsmodell netto zu einem Kapitalabfluss aus dem Süden führt, der grundsätzlich unerwünscht ist?

Klaus Tischhauser: Ich entgegne ihnen, dass es zynisch ist, ideale Modelle anzuführen, die im Kleinen zwar funktionieren, aber keine Lösung für den Grossteil der 500 Millionen Kleinstunternehmer weltweit bieten. Wir lügen uns schlichtweg in die eigene Tasche, wenn wir glauben, dass wir die Mittel, die zur Bewältigung dieser Herausforderung nötig sind, alleine mit Entwicklungshilfegeldern und dergleichen bereitstellen können. Diese Mittel sind nur mit Anreizen zu aktivieren. Und lassen wir doch arme Menschen selbst entscheiden: ob sie den idealen, günstigen Kredit vorziehen, den es aber leider nicht oder erst viel später gibt, wenn die lokale Entwicklung dann weit genug fortgeschritten ist; oder ob sie einen Kredit wollen, den sie heute erhalten und für den sie einen Bruchteil der Zinsen der lokalen Geldverleiher zahlen, die Hunderte bis Tausende von Prozenten an Jahreszinsen verlangen.

Es gibt weltweit nur etwa 500 stabile Mikrofinanzinstitutionen. Wie wählen Sie aus, wo der responsAbility Fonds investiert?

Klaus Tischhauser: Wir streben aus Sicherheitsüberlegungen eine weltweite Diversifikation an, dies ist ein geografisches Kriterium. Bei den qualitativen Kriterien schauen wir auf die Strategie der Mikrofinanz-
institution, ihre Eigentümerstruktur, Corporate Governance (d.h. wie die Institution geführt wird) und auf die Finanzlage. Sehr bedeutend ist die angewendete Kredittechnologie und deren Beherrschung, die Qualität des Kreditportfolios, die Effizienz (operative Kosten), Marktposition und einige Indikatoren, die auf das Verhalten der Kundinnen und Kunden schliessen lassen (z.B. Ausfallrate). Um die soziale Wirkung zu beurteilen, achten wir auf Faktoren wie städtisches/ländliches Umfeld, Kredite für Handel/Produktion, männliche/weibliche Kunden, durchschnittliche Kreditgrösse.


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