Refinanzierung von Mikrokrediten
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Ein Mikrokredit ist keine eierlegende Wollmilchsau  (15.10.08)
Die UNO erklärte das Jahr 2005 zum internationalen Jahr des Mikrokredits. Seither drohen Mikrokredite endgültig zum letzten Schrei in der Entwicklungszusammenarbeit zu werden. Moden sind aber hier wie fast überall gefährlich. Natürlich sollen die positiven Auswirkungen, die erfolgreiche Mikrofinanzprojekte für Frauen und Männer im Süden haben, nicht übersehen werden. Die Erfolge eines Instruments dürfen aber nicht mit einer erfolgreichen Entwicklungsstrategie verwechselt werden.

Mit Mikrokrediten soll Einzelpersonen oder Familien mehr Einkommen ermöglicht werden. Das geht nicht in jeder Situation, denn die Kleinunternehmerinnen und -unternehmer, welche die Kredite aufnehmen, brauchen ein Umfeld, das es erlaubt, ausreichende Profite zu erzielen. Immerhin sind die Zinsen ja auf einem Niveau, bei dem ein KMU bei uns Mühe hätte, erfolgreich zu wirtschaften. Bäuerinnen und Bauern, die mithilfe eines Mikrokredites ihre landwirtschaftliche Produktion steigern, brauchen einen lokalen Markt, auf dem sie ihre Produkte verkaufen können, und sie brauchen Verkehrswege, um den Markt überhaupt zu erreichen. Städtische Anbieter von Produkten und Dienstleistungen können nur dann erfolgreich sein, wenn in ihrer Umgebung genug Einkommen vorhanden ist, und wenn genug Geld zirkuliert. Erfolgreiche Mikrofinanzprojekte setzen also ein gewisses Entwicklungsniveau bereits voraus. Wo die Geschäfts-
möglichkeiten fehlen, wie beispielsweise bei Flüchtlingen oder in Katastrophesituationen, helfen auch Mikrokredite nicht weiter.

Am Beispiel des grössten Mikrofinanzprojektes, das vor sieben Jahren von der thailändischen Regierung initiiert wurde, zeigen sich ebenfalls die Grenzen von Mikrokrediten. Thailändische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die das Projekt begleiteten, bezweifeln, dass tatsächlich die ärmsten und bedürftigsten Dorfbewohnerinnen und -bewohner profitierten. Es waren eher etwas «reichere Arme», denen die Mikrokredite am meisten nützten. Zudem seien die Kredite zum Teil für Konsumausgaben verwendet oder nicht profitabel investiert worden, sodass Familien gezwungen waren, sich bei Geldverleihern weiter zu verschulden, um die Mikrokredite zurückzahlen zu können. Mikrofinanzprojekte ohne Unterstützung für die Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer bei der Verwendung der Gelder durch NGO oder Regierungen bergen immer die Gefahr der Überschuldung der Kreditnehmenden.

Für die Entwicklung einer Region oder gar eines ganzen Landes können Mikrofinanzprojekte alleine nicht viel ausrichten. Entwicklung braucht auch Schulen, Gesundheitsposten und Spitäler, Strassen, Brücken und Verkehrsverbindungen. In diesen zentralen Bereichen spielen Mikrokredite keine Rolle.

Erfolgreiche Mikrokreditprojekte können deshalb nie als Beweis für die These herhalten, dass der «Privatsektor» grundsätzlich bessere Ergebnisse bringe als der Staat oder die Entwicklungshilfe.


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