2006 Firmenbewertung
Migros (23.02.06)
Steckbrief
Resultate zur Firmenbefragung 2004
Information und Transparenz
Dem Fragebogen wurde eine umfangreiche und aussagekräftige Dokumentation beigelegt. Der Umwelt- und Sozialbericht ist nicht sehr informativ. Über die konkreten Arbeitsbedingungen in Kleiderfabriken wird nichts gesagt. Über die Herkunft der Kleider werden nur summarische Angaben gemacht: 40% aus Asien (China, Indien, Vietnam, Kambodscha), 20% aus Westeuropa (Schweiz, Deutschland, Portugal), je 15% aus Afrika (Marokko, Tunesien) und Osteuropa (Ungarn, Bulgarien, Rumänien) und 25% aus Lateinamerika (El Salvador, Mexiko). Über die Lieferantenstruktur (Anzahl, Umsätze) liegen keine Angaben vor. Dafür wurden das Managementmanual und die Auditguidelines sowie das gesamte Anforderungsprofil für Eco-Kleider bekannt gegeben. Dass die erwähnten Sozialstandards noch nicht umgesetzt sind, ist für die Konsumenten trotz dem Eco-Label nicht ersichtlich.Sozialstandards und Ökolabel
In Zusammenarbeit mit anderen grossen europäischen Partnern formulierte die Migros ein neues Managementsystem, das sowohl Sozialstandards (Verhaltenskodex) wie auch Umsetzungs-, Kontroll- und Korrekturmassnahmen beinhaltet. Das System heisst Business Social Compliance Initiative (BSCI) und stützt sich explizit auf alle acht ILO-Kernkonventionen. Dort, wo es gesetzliche Beschränkungen zur Gewerkschaftsfreiheit gibt, müssen in Anlehnung an eine ILO-Formulierung «parallele Wege zur Organisationsfreiheit und kollektiven Verhandlungen» gesucht werden. Ebenso werden der existenzsichernde Lohn und reguläre Arbeitszeiten anerkannt. Alle Beschäftigten sollen einen Arbeitsvertrag und Jugendliche eine Ausbildung erhalten. Zum Migros-Angebot gehört ein kleines Sortiment an Kleidern aus kontrolliert biologischer Baumwolle gemäss den EU-Bio- Normen (kbA).Umsetzung und Kontrolle
Die systematische Umsetzung des BSCI-Systems bildet das Rückgrat der Implementierung von sozialverträglichen Arbeitsbedingungen bei den Lieferanten im gesamten Non-Food-Bereich. Zur Beschaffungspolitik gehört, dass ein Dialog mit den Lieferanten geführt wird. Zudem ist vorgesehen, dass die Migros angepasste Kostenberechnungen und eine Kapazitätsplanung für die Produktionsbetriebe erstellt. Ein Anpassungsprozess mit Mängelliste, Umsetzungsplan und Fristen konnte eingereicht werden. Die Prinzipien zur unabhängigen Überprüfung werden anerkannt, und ein Bericht dazu kann im Internet (www.evb.ch) eingesehen werden. Migros gehörte zu den weltweit ersten Firmen, die den Mut hatten, auch negative Resultate zu kommunizieren. Die Migros engagiert sich auch für die Multi-Stakeholder- Verifizierung und beteiligt sich an Projekten der ILO. Dass sie im Berichtszeitraum zwei Trainingshosen aus Burma importierte, weist auf bestehende Lücken im System hin. Trotzdem, der systematische Ansatz des Sozialmanagements der Migros ist vielversprechend.Kommentar von Migros
«Wir sind transparent und möchten es weiterhin sein. Neuster Stand der Audits: Stand der Implementierung Sozialstandards Non Food (April 03 bis Oktober 05; Hartwaren ab Dezember 03): Selfassessments: 243 // Dadurch einbezogene Produktionsstätten: 445 // Abgeschlossene Sozialaudits: 145 // Laufende Umsetzung der Korrekturmassnahmenpläne: 82 // Erfüllte Korrekturmassnahmenpläne: 55 // Re-Audits: 8.»Jüngste Entwicklungen
Seit Mai 2005 führt SportXX Bekleidung mit dem Max-Havelaar- Label im Sortiment. Die T-Shirts sowie die Wattestäbchen im Migros-Sortiment bestehen aus biologisch angebauter und fair gehandelter Baumwolle. Die Migros ist weiterhin bemüht, neben firmeneigenen Kontrollen im Rahmen von BSCI eine unabhängige Verifizierung einzuführen. Migros und Switcher haben sich als erste Schweizer Firmen mit ISCOM über die Modalitäten der Verifizierung geeinigt.



