2006 Firmenbewertung
Levi Strauss & Co. (23.02.06)
Steckbrief

Resultate zur Firmenbefragung 2004
Information und Transparenz
Die Anfrage an Levi Strauss Schweiz AG wurde an den europäischen Hauptsitz in Brüssel weitergeleitet. Dies wurde schriftlich mitgeteilt. Den Fragebogen hat jedoch niemand ausgefüllt. Eine Antwort vom E-Mail-Absender levistrauss@levi.com verwies lediglich auf die Homepage. So stützt sich diese Auswertung weitgehend aufs Internet. Dort sind Informationen von lediglich rund sechs Textseiten verfügbar zur Unternehmenspolitik, davon etwa eine halbe Seite über das soziale Engagement der letzten Jahre. Im Geschäftsbericht gibt es keine Angaben zum Sozial- und Umweltmanagement. Zur Herkunft der Levi-Strauss-Jeans ist einzig bekannt, dass sie in über 60 Ländern und in rund 600 Kleiderfabriken genäht werden.Sozialstandards und Ökolabel
Levi Strauss ist stolz darauf, als eines der ersten Unternehmen im Jahre 1991 einen sozialen Verhaltenskodex eingeführt zu haben. Doch dieser Kodex hält internationalen Standards nicht stand. Die ILO-Konventionen werden nicht erwähnt. Bei den Löhnen stützt sich Levi Strauss aufs gesetzliche Minimum, was oft nicht zum Überleben reicht. Die folgende Formulierung lässt auf extensive Überstunden schliessen: «Wir bevorzugen Partner, die weniger als 60-Stunden-Wochen führen.» (Offenbar wird in gewissen Fabriken die zulässige Höchstarbeitszeit überschritten.) Positiv ist, dass Levi Strauss bereit ist, sich an den Kosten der Kontrollen zu beteiligen. Zudem sind sie bereit zur aktiven Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften. Dabei hat Levi Strauss eine gewisse Verantwortung anerkannt. Hinweise auf besondere Anstrengungen im Umweltbereich sind nicht bekannt.Umsetzung und Kontrolle
Zur Umsetzung ihres Kodex ist nicht einmal bekannt, ob er in andere Sprachen übersetzt wurde oder nicht. Angesichts der inhaltlichen Mängel wäre keine Übersetzung besser. Wichtiger ist die Zusammenarbeit mit der Fair Labor Association (www. fairlabor.org) in den USA und mit der Ethical Trading Initiative (www.ethicaltrade.org) in England. Für diese Multi-Stakeholder- Initiativen gelten höhere Standards. Aus dem Jahre 2003 wurden sieben Berichte zur unabhängigen Überprüfung bei Levi- Strauss-Lieferanten in China, Indien, den Philippinen, Thailand und Portugal veröffentlicht. Leider wurden aber in den Jahren 2002 und 2003 fast ebenso viele Arbeitskonflikte öffentlich bekannt. In einem Fall in Mexiko setzte sich Levi Strauss immerhin aktiv für eine Lösung ein.Kommentar von Levi Strauss & Co.
Keine Antwort des Unternehmens.Jüngste Entwicklungen
Am 11. Oktober 2005 erhielt die Clean Clothes Campaign den Hinweis, dass Levi Strauss die Liste aller 750 Produzenten veröffentlicht. Dieser Schritt sollte die Fabrikanten motivieren, die Sozialstandards konsequent umzusetzen. Zudem veröffentlichte Levi Strauss neue Richtlinien zur Beschaffung und zur Kontrolle des Verhaltenskodex. Dort werden nun die Arbeitsrechte auf der Basis der ILO-Konventionen definiert (der alte Levi-Strauss- Verhaltenskodex blieb unverändert). Anstelle eines Bedürfnislohnes orientiert sich Levi Strauss weiterhin am gesetzlichen Minimum (bzw. am durchschnittlichen Branchenlohn). In Ländern mit beschränkten Gewerkschaftsrechten sucht Levi Strauss nach parallelen Wegen der Organisationsfreiheit und der Kollektivverhandlungen und beteiligt sich aktiv an Projekten der Ethical Trading Initiative (ETI).



