Connecting People? – Nokia in China (28.01.06)
Wie andere Firmen hat auch Nokia in den letzten Jahren seine Produktion nach China ausgelagert. Und auch der Handy-Riese beschäftigt in seinen Fertigungsbetrieben Wanderarbeiter aus den ländlichen Teilen Chinas, die in die Boomstädte der Küste strömen, um hier unter schlechtesten Bedingungen zu arbeiten. 2003 waren 57 Prozent der viel beschworenen chinesischen „Workforce“ Stunden-, Tage- und Wochenlöhner aus ländlichen Regionen. Davon wiederum sind 60 Prozent Frauen. Allein in der Elektronikindustrie haben aktuell 2,5 Millionen junge unverheiratete Frauen ihr Auskommen.
Nokia schmückt sich mit einem „Code of Conduct“, der in China aber weder eingehalten noch kontrolliert wird, wie die Studie einer finnischen NGO vom November 2005 zeigt. So erfüllt der finnische Konzern in der eigenen Fabrik und seinen Zulieferbetrieben in Guangdong weder die Arbeitskonventionen der „International Labour Organisation“ noch die chinesischen Gesetze: Die Arbeiter dürfen sich nicht organisieren und teilweise werden nicht einmal die gesetzlichen Minimallöhne gezahlt, von einem Existenz sichernden Lohn ganz zu schweigen.
Wie bei der Walt Disney Company, dem diesjährigen Empfänger des Public Eye Award in der Kategorie Soziales, zeigt auch dieses Fallbeispiel, dass freiwillige Instrumente der Unternehmensverantwortung nicht greifen, sondern nur international bindende Regeln die Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten und ethischen Normen garantieren. In dieses Bild passt, dass beim Grosskonzern Nokia nur eine einzige Person zuständig für die „Human Rights Policy“ ist: ein deutliches Zeichen, welch geringen Stellenwert das Unternehmen seiner gesellschaftlichen Verantwortung beimisst.
Mit Tero Ojanpera ist der finnische Vize-Präsident und Chief Strategy Officer der Nokia Corporation am WEF präsent. Er wird jedoch kaum auf die wirklich relevanten Themen wie Arbeitsrechte in seinen Fabriken und Zulieferbetrieben und öffentlich finanzierte „Anreize“ in Entwicklungsländern für sein Unternehmen zu sprechen kommen. Stattdessen befasst er sich an einem Panel mit der Zukunft und dem Potential von Videospielen.
Koni Kuhn +41 (0)76 377 44 11
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