Brabbelbeck, der Meisterschwurbler (28.01.06)
Auch am gestrigen Open Forum zum Thema Wasser war Brabecks Zwang zur Kreativität wieder spürbar. So regte er an, einen Teil der 550 Milliarden Dollar, die derzeit zur Erreichung der Ziele des Kyotoprotokolls ausgegeben werden, stattdessen für die Sicherung der Wasserversorgung der Ärmsten zu verwenden. Und um sich gegen Vorhalten aus dem Publikum zu wehren, enthüllte er voller Stolz seine Nebentätigkeit in der Baubranche: „Ich bin auf dem Foundation Board des Roten Kreuzes und baue persönlich Landschulen in Venezuela.“ Auch als sich die Diskussion um die soziale Verantwortung von Unternehmen (neudeutsch „Corporate Social Responsibility“ CSR) drehte, leierte Brabeck eine lose Reihe von Wohltaten und Spenden herunter. Hätte er nicht nur einen immensen PR-Apparat, der darauf spezialisiert ist, die Argumente von Nicht-Regierungsorganisationen abprallen zu lassen, sondern auch einen professionellen CSR-Berater, wäre ihm das nicht passiert. Denn die erste Managerlektion zum Thema CSR lautet: Verwechsle (deine) soziale Verantwortung niemals mit Philanthropie!
Der Nestlé-Chef verschwieg zudem, dass es bei ihm selbst für Letzteres immer zuerst gehörigen Druck braucht. So forderte Nestlé 2002 von Äthiopien in einem nicht übermässig menschenfreundlichen Akt sechs Millionen Dollar Entschädigung für eine Fabrik, die das bitterarme Land der Welt 1986 enteignet hatte. Ein Angebot der äthiopischen Regierung über 1,5 Millionen lehnte Nestlé ab. Zum Vergleich: Nestlé braucht 7,5 Stunden um sechs Millionen Dollar zu verdienen. Erst nachdem Nestlé von 40'000 Menschen wütende Briefe erhalten hatte und die Presse auf den Fall aufmerksam wurde, akzeptierte es die 1,5 Millionen und spendete sie dann für die Nahrungsmittelhilfe in Äthiopien. Am Open Forum sprach Peter Brabeck nur von dieser generösen Spende.


