Public Eye Awards 2006
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Artikel im EvB-Mitgliedermagazin «erklärung!»  (12.01.06)
«The Public Eye Awards go to....»

Bereits zum zweiten Mal prämieren die EvB und Pro Natura in Davos jene Konzerne, die ihre soziale und ökologische Verantwortung besonders sträflich ignorieren. Die beiden Organisationen konterkarieren damit am Eröffnungstag des Weltwirtschaftsforums(WEF) die Hollywood-reife Big-Business-Inszenierung
von WEF-Dirigent Klaus Schwab.


Im Davoser Januarschnee führen alle Wege zum «PUBLIC EYE» (Foto Marion Nitsch)
Auch diesen Januar mutiert Davos wieder für ein paar Tage zur wirtschaftspolitischen Theaterbühne. Gegeben wird seit 1971 dasselbe Globalisierungsstück von demselben Regisseur mit denselben Laienschauspielern aus den Teppichetagen der Weltkonzerne. Kritische Farbe ins trübe alpine Treiben der 1000 mächtigsten Unternehmen bringt einzig das längst zur Institution gewordene «Public Eye». An ihrer zeitgleichen Gegenveranstaltung zum WEF mahnt die Erklärung von Bern zusammen mit Pro Natura die Bosse schon seit 2000 zum verantwortlichen Umgang mit Mensch und Natur. Nach dem Erfolg von 2005 geschieht dies auch dieses Jahr wieder mit einer Preisverleihung. Durch diese effektvolle Form wird einerseits konkreter Druck auf exemplarisch ausgewählte Übeltäter erzeugt und zugleich eine breite Öffentlichkeit für das EvBQuerschnittsthema Unternehmensverantwortung(neudeutsch «Corporate Accountability») sensibilisiert.

Ein repräsentatives Sündenregister
Dass ein Satiriker wie Patrick Frey «The Public Eye Awards 2006» moderiert, bedeutet freilich nicht, dass die Fakten, auf denen die «Auszeichnungen» beruhen, weniger ernsthaft und fundiert sind. Im Gegenteil: Nominiert wurden die unverantwortlichsten Unternehmen auch diesmal von Nichtregierungsorganisationen, die seit Jahren aus nächster Nähe beobachten, wie sich Grosskonzerne vor allem in südlichen Ländern systematisch daneben benehmen. Das Sündenregister reicht dabei von zerstörerischer Palmölgewinnung (Tesco) über die Privatisierung von Wasserrechten (Vattenfall) und Beihilfe zur Steuerhinterziehung (Citigroup) bis zur sexuellen Belästigung von Textilarbeiterinnen (GAP). Aber auch hiesige Skandale wie die Giftmülldeponie Bonfol (Novartis) oder Zürcher Steueroptimierungsseminare (ZfU) sind heuer Award-verdächtig. Die insgesamt 28 Anwärter – darunter auch «alte Bekannte» wie Coca-Cola und Nestlé – repräsentieren also so ziemlich alle Missstände, gegen welche die EvB im Schulterschluss mit ihren südlichen Schwesterorganisationen in Davos mobil macht.

Doch «wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch»: Dieser Einsicht Rilkes folgend wurde dieses Jahr zusätzlich zu den drei Kategorien Umwelt, Soziales und Steuern erstmals auch ein «Positive Award» ausgeschrieben. Dessen Empfänger dürfte In- wie Outsider gehörig überraschen…

Über den Eröffnungstag hinaus markiert die EvB Anti-WEF-Präsenz, zum Beispiel mit einer elektronischen Gegenberichterstattung. Geplante Rubriken des vom 26. bis 28. Januar erscheinenden «WEF-Watch»-Letters sind «die Lüge des Tages», «die ungestellten Fragen» sowie ein tagesaktueller «Exklusiv-Cartoon» namhafter Karikaturisten. Eins lässt sich jetzt schon sagen: An Stoff für diesen neuen, auch an alle EvB-Newsletter-AbonnentInnen gehenden Service wird es gewiss nicht mangeln.