Public Eye Awards 2006
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Porträt Patrick Frey, Moderator Public Eye Awards  (11.01.06)
Ein Spagatkünstler

In seiner Moderation der «Public Eye Awards» bringt Patrick Frey auch 2006 wieder zusammen, was für ihn biografisch zusammengehört: politische Kritik und pointierten Humor.

Als er mit halbstündiger Verspätung doch noch zum Interviewtermin im Zürcher «Terrasse» auftaucht, bestellt er sich erst mal einen Beruhigungstee. Patrick Frey (54) ist vergrippt, aber dennoch auf Speed. Fünf Anrufe wird er in der nächsten Stunde entgegennehmen, seinem Gegenüber dabei aber stets freundlich zugewandt bleiben. Auch sonst ist Frey ein Spagatvirtuose. Wie anders brächte er seine diversen Existenzformen als Autor, Verleger, Kunstkritiker, Schauspieler, Kabarettist und (vierfacher!) Familienvater erfolgreich unter einen Hut? «Ich liebe Abwechslung halt genauso wie ich Festlegungen hasse – auch politische», sagt der Tausendsassa mit dem berühmten Schalk in den Augen.

Der eigentliche Grund für die multiple berufliche Persönlichkeit des Grossbürgersohns tönt indes eher banal. Ob er Bücher, Filme oder Radio (Lora) macht: «Wenn ich etwas mit Leidenschaft und Überzeugung begonnen habe, komme ich nicht mehr davon los.» Dass seine Engagements allesamt in den bewegten frühen 80er-Jahren wurzeln, ist nicht bloss biografischer Zufall. Als Abkömmling des Winterthurer Volkart-Clans hinterfragte Frey schon früh die Entstehung und den Preis seiner Privilegien. Ermuntert wurde er dazu von seiner Mutter, deren «Gerechtigkeitssinn und wunderbare Obrigkeitsungläubigkeit» ihn massgeblich prägten.


Ein ebenso nachhaltiges Feindbild wie im damals so genannten «System» hat der Kreuz- und Querdenker in der zeitgleich entstandenen «Political Correctness» gefunden. «Man kann ideologiefrei beziehungsweise undogmatisch und trotzdem Überzeugungstäter sein», glaubt der parteilose Politkenner. In der «ironiefreien Erziehungsanstalt Schweizer Fernsehen» war ihm deshalb schon vor der jüngsten Schamponierung von Kurt Felix’ «Rotem Teppich» unwohl. Seine Entsorgung aus dem umstrittenen Samstagabendformat hat er aber bestens verdaut. Auch vom «Tages-Anzeiger», für den er wie seine Kollegen Viktor Giacobbo und Lorenz Keiser seit Jahren kolumniert, wurde «das Schandmaul der Nation» («Basler Zeitung») schon zensiert. Umso mehr freute und überraschte ihn die letztjährige Anfrage der EvB, ob er die vom Anlass her ziemlich ernsthafte Verleihung der «Public Eye Awards» (PEA) in Davos moderiere. «Schliesslich neigen auch honorige Nichtregierungsorganisationen zu Humorlosigkeit, sobald es um ihre Anliegen geht.» Die EvB hingegen habe sogar sein damaliger Auftritt nicht abgeschreckt, ihn für die PEA 2006 nochmals anzuheuern. «Dieser Mut zum Risiko ist ein Reifezeugnis und wird entsprechend belohnt werden », lautet Freys letzte augenzwinkernde Bemerkung, bevor er Richtung Bellevue entschwindet.
(Artikel aus dem EvB-Mitgliedermagazin «erklärung!» 1/06)