EvB - Netze knüpfen für eine andere Globalisierung (Marianne Hochuli)
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Netze knüpfen für eine andere Globalisierung
Marianne Hochuli
Referat Marianne Hochuli

Die Erklärung von Bern wird von befreundeten Organisationen oder Mitgliedern, von PolitikerInnen aber auch von Bundesämtern immer wieder als eine Organisation beschrieben, die fachlich fundierte Informationen liefere, die sehr schnell und flexibel auf äussere Ereignisse reagiere und Zusammenhänge schaffe, und die es gleichzeitig verstehe, die manchmal trocken wirkende Materie wie Handels- oder Finanzpolitik mit witzigen und eingängigen Kampagnen an ein grösseres Publikum zu bringen.

Wie wir uns heute finanzieren...

Die Erklärung von Bern wird durch ihre 19 000 zum Teil sehr treuen Mitglieder sowie durch Spenden finanziert. Sie ist weder auf Zuschüsse des Staates noch auf Sponsoring durch die Wirtschaft angewiesen. Es kam schon vor, dass wir Spenden von Firmen abgelehnt haben, um unsere Unabhängigkeit zu bewahren. Diese finanzielle Unabhängigkeit und wenig hierarchische Strukturen ermöglichen eine grosse Flexibilität.

... und wie wir strukturiert sind

Das Team besteht aus acht Frauen und fünf Männern in Zürich, zwei Frauen und zwei Männern in Lausanne sowie dem angegliederten Kinderbuchfonds Baobab mit einer Mitarbeiterin in Basel. Alle Grundsatzentscheidungen werden zusammen beschlossen. Die FachsekretärInnen in den einzelnen Bereichen wie «IWF/Weltbank», «Finanzplatz Schweiz», «Ernährung und Landwirtschaft», «WTO», «Clean Clothes Kampagne», «Kultur», «Kinderbuchfonds Baobab» sind für ihre Fachbereiche verantwortlich und erhalten in Strategiefragen Unterstützung vom Team sowie von einem Vorstand, der sich unentgeltlich engagiert.

Wir leisten globale Arbeit ...

Die Erklärung von Bern kritisiert eine einseitig wirtschaftlich vorangetriebene Globalisierung, die auf Menschenrechte und Umwelt keine Rücksicht nimmt - und dies seit 35 Jahren. Bereits bevor es die globalisierungskritische Bewegung gab, hat die EvB die ungleichen Handelsbedingungen zwischen nördlichen und südlichen Ländern analysiert und publiziert.

Seit den 70-er Jahren hat sie auf Pharma- und Pestizidkonzerne Druck ausgeübt, vom Export unnötiger Medikamente abzusehen oder die Produktion gefährlicher Pestizide aufzugeben. Auch heute fordert die Erklärung von Bern beispielsweise von der Firma Syngenta den Produktionsstopp des gesundheitsschädigenden Herbizids Paraquat.
Mit der Clean Clothes Campaign hat sie – im Verbund mit Fastenopfer und Brot für alle – Druck auf die Schweizer Bekleidungsindustrie ausgeübt, die Arbeitsbedingungen in der ausländischen Textilindustrie zu verbessern. Das Verhalten von Firmen gegenüber den Ländern des Südens ist auch ein zentrales Thema an der Alternativkonferenz «The Public Eye on Davos», die bereits zum vierten Mal vis-à-vis des WEF stattfand und von zahlreichen internationalen Organisationen mitgetragen wird.

...gestern wie heute...

Seit der WTO-Ministerkonferenz in Seattle wächst die globalisierungskritische Bewegung. Neue Medien erlauben eine bessere und effizientere Zusammenarbeit zwischen Fachleuten auf der ganzen Welt. Dank dem Internet ist es möglich, detaillierteste Informationen etwa zu WTO-Verhandlungen innert weniger Stunden zu verbreiten und zu verarbeiten. Die Erklärung von Bern ist ein aktiver Teil in diesen Netzwerken und in diesem Sinne eine zutiefst globale Organisation. Überdies leistet sie wichtige globale Pionierarbeit: So war sie zum Beispiel eine der ersten Organisationen, die das WTO-Dienstleistungsabkommen GATS kritisch untersuchte und die Kampagne «Kein weltweiter Ausverkauf des Service public» lancierte. Die Informationen und das Kampagnenmaterial wurde von zahlreichen internationalen Organisationen aufgenommen und weiter verbreitet.

... dank Networking und der Auseinandersetzung mit anderen Kulturen

Auch jetzt ist die Erklärung von Bern aktiv am Aufbau internationaler Kampagnen-Netzwerke beteiligt: beispielsweise zu den Themen «Verantwortung von Banken und Finanzinstitutionen» und «Steuerflucht und Steuergerechtigkeit».
Die Auseinandersetzung und Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Kulturen ist ein weiteres grundlegendes Thema für die Erklärung von Bern. Im nächsten Jahr soll – zusammen mit LehrerInnen aus dem Senegal – ein Geschichtsbuch entstehen, das das Sortiment der bis anhin einseitigen und eurozentrierten Geschichtsbücher erweitern soll.

Unsere Jubiläumsaktivitäten

Zur Feier unseres Jubiläums „35 Jahre EvB!“ schliessen wir in der Woche vom 6. – 12. Juli unsere Büros und marschieren unter der Motto „Globale Gerechtigkeit bewegt!“ nach Bern. Jeder Tag steht unter einem Motto und wird von einem anderen Fachbereich der EvB gestaltet. Am 12. Juli, zum Ende des Marsches, findet in Bern-Bümpliz ein grosses Jubiläums-Bankett statt.

Bern, 10. März 2003
Marianne Hochuli