Yusufeli
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Gebiet des zukünftigen Staudamms

(c) Erklärung von Bern

Die türkische Regierung plant im Nordosten des Landes ein riesiges Staudammprojekt. Dabei missachtet sie die internationalen Auflagen für den Schutz der Bevölkerung und der Natur im sensiblen Tal des Coruh.
Im Nordosten der Türkei, zwischen dem Schwarzen Meer und Georgien, baut und plant die türkische Regierung am Fluss Coruh eine Kaskade von zehn Mega-Staudämmen. Das Herzstück dieser Kraftwerke ist der seit den 80er Jahren geplante Yusufeli Staudamm. Er würde mit einer Staumauer von 271 m Höhe den Coruh und seine Seitenflüsse auf einer Länge von 80 km aufstauen und in Spitzenzeiten 540 MW Energie produzieren.

Das seit 25 Jahren geplante Projekt ist stark umstritten, da

  • 17'000 Menschen ihre Heimat und Lebensgrundlage verlieren würden, aber Umsiedlungen aufgrund der gebirgigen Geographie nicht realistisch sind.
  • die Region bei Yusufeli eine der höchsten Artenvielfalten Europas aufweist, welche durch die enge Abfolge von Talsperren dezimiert wird.
  • georgische Kirchen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert sowie tausendjährige Kulturgüter und äusserst fruchtbares Kulturland zerstört würden.

Schweizerische und französische Beteiligung

Aufgrund der Beteiligung französischer und schweizerischer Baufirmen hatten die Exportkreditversicherungen dieser Länder im Jahr 2007 signalisiert, die Haftung für das Projekt zu übernehmen. Die Länder hatten dies mit Auflagen in den Bereichen Umsiedlung, Schaffung von Arbeitsplätzen, Entschädigungen, Neubau von Zufahrtsstrassen und Massnahmen im Umwelt- und Artenschutz verbunden, damit das Projekt die Standards der Weltbank erfüllt. Bislang hat die türkische Dammbaubehörde die verlangten Massnahmenpläne jedoch nicht geliefert.

Nachdem die türkische Regierung bis 2008 diesen Auflagen nicht nachgekommen war, lehnte Frankreich eine Bürgschaft ab. Die Firma Alstom Schweiz stellte kein neues Versicherungsgesuch. Ab 2009 wird das Projekt wegen angeblicher Planungsfehler neu berechnet und neu ausgeschrieben. Trotz jährlichen Drohungen der Regierung, das Projekt werde demnächst gebaut, blieb es seitdem ruhig. Stattdessen baut die türkische Firma Enerjisa A.S. nun unterhalb von Yusufeli den kleineren Arcun Staudamm mit einer Kapazität von 236 MW. Hierfür müssen nur wenige Familien umgesiedelt werden.

Vor Ort kämpfen verschiedene Gruppen für den Erhalt ihrer Heimat. Sie werden von Nichtregierungsorganisationen wie der Erklärung von Bern unterstützt.
06.02.08   Augenzeugenbericht von Christine Eberlein