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2006_Re_Familien aus Region Hasankeyf (2)

(c) Erklärung von Bern, Christine Eberlein

Die Folgen des Ilisuprojekts in Kürze


Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb das Ilisu-Staudammprojekt nicht hätte genehmigt werden dürfen. Die Folgen des Staudammbaus sind verheerend. Internationale Richtlinien zum Bau von Staudämmen wurden und werden missachtet.

Umweltzerstörungen

Das gigantische Reservoir würde etwa 350 Kilometer des Tigris und seiner Nebenflüsse überfluten und damit einzigartige und noch weitgehend unerforschte Flora und Fauna zerstören. Die Region am Tigris gehört zu den Regionen mit der höchsten Artenvielfalt in Europa. Auch unterhalb des Dammes im nahen Syrien und im Irak würden die künstlichen Wellen des Kraftwerks die einzigartigen Ökosysteme vernichten. Es werden Kläranlagen geplant, doch sind diese nicht ausreichend und es fehlt eine dritte Reinigungsstufe. Deshalb ist damit zu rechnen, dass das Wasser des Tigris, das aus den Millionenstädten Diyarbakir und Batman kommt und stark verschmutzte ist, das Staubecken zu einer Kloake verwandelt und Krankheiten wie Malaria Vorschub leistet.

Zerstörung von Kulturgütern

Der Stausee würde die kulturhistorisch bedeutsam Stadt Hasankeyf überschwemmen. Hier finden sich einzigartige Bauwerke und Ornamente, die von einer Verschmelzung von islamischen und christlichen Einflüssen zeugen. Im Gegensatz zu anderen Orten wurde Hasankeyf vor 200 Jahren verlassen, aber nicht zerstört oder überbaut. Deshalb finden sich hier einzigartige Bauwerke, Strukturen und Ornamente, die in dieser Form nirgendwo anders zu finden sind.

Zudem würden über 200 bekannte archäologische Fundstätten vernichtet. Einige sind über 10’000 Jahre alt und viele bisher kaum oder nur ungenügend erforscht. Die Vorschläge der Bauherren, die wichtigsten Denkmäler umzusiedeln werden von führenden Archäologen in Frage gestellt. Sie fürchten, dass die Denkmäler zerbröseln.

Vertreibung von über 60'000 Menschen

Die Siedlungen von 12'000 Menschen werden überflutet. Insgesamt werden fast 60'000 Menschen durch die Flutung ihrer Arbeitsorte und Lebenszentren, ihres Acker- und Weidelands und durch den Strassenbau zum Wegzug gezwungen.

Auswirkungen auf die Nachbarstaaten Syrien und Irak

Gemäss internationalen Richtlinien hätten die direkt vom Staudamm betroffenen Nachbarländer Syrien und Irak über die Pläne des Projekts und insbesondere die verbleibende Restwassermenge rechtzeitig konsultiert werden und zustimmen müssen. Die Restwassermengen wurden einseitig von der Türkei festgelegt

Konflikte und Menschenrechtsverletzungen in Ost-Anatolien

Derzeit verschärfen sich die Menschenrechtsverletzungen in der mehrheitlich von Kurden bevölkerten Region des Tigris-Tals wieder. Nach dem Einmarsch des türkischen Militärs im Irak Ende 2007 wurden grosse Teile der Region am Tigris zu einem militärischen Sperrgebiet erklärt und die Militärpräsenz verschärft. Die Bevölkerung traut sich in diesem repressiven Klima nicht, ihre Meinung zum Staudamm offen zu sagen und zu protestieren.



Mehr zum Thema

Zur Website der internationalen Stop-Ilisu-Kampagne
Die Kampagne wird in der Schweiz von der EvB getragen.