Ansteckend!
12.03.2008 - Dass eine Finanzkrise ansteckend sein kann, hatte sich schon in den Neunziger Jahren gezeigt. Damals setzte sich die Krise von einem Schwellenland (den sogenannten „Emerging Markets“) ins nächste fort. |
In der aktuellen Krise findet die Ansteckung nicht zwischen einzelnen Ländern, sondern zwischen einzelnen Finanzprodukten und Akteuren statt. Das Vertrauen ist weg. Die Aufteilung von Risiken und ihre Verpackung in Derivate, die als stabilisierende Diversifizierung gepriesen worden war, zeigt sich jetzt als entscheidender Faktor des Vertrauensverlustes.
Die englische Wirtschaftszeitung «Financial Times» beschreibt das so:
«Das beschleunigte Tempo finanzieller Innovationen und die immer komplizierteren modernen Finanzinstrumente übersteigen sogar die Fähigkeit der Designer dieser Produkte, zu verstehen, was abgeht. Und diese neuen Instrumente werden häufig kaum gehandelt, ihr Wert wird durch Simulation oder Berechnung bestimmt, nicht durch den Markt. Erfahrene Investoren sind schlecht informiert über die Risiken, die sie tragen, unerfahrene haben keine Ahnung.»
Erschwerend kommt hinzu, dass die Rating-Agenturen offensichtlich eine Sorte von Derivaten zu optimistisch bewertet hatten. Wieso sollte man also ihren Bewertungen bei anderen Derivaten Glauben schenken? Das Ergebnis dieser generalisierten Unsicherheit ist ein Investorenstreik.Der Markt für kurzfristige Wertpapiere (Commercial Papers) ist praktisch zum Erliegen gekommen. Dadurch sind all diejenigen in Schwierigkeiten, welche ihre Aktivitäten mit solchen Papieren finanziert haben.
Hedge Funds gerieten nicht nur in Schwierigkeiten, weil die Kredite, mit denen ihre Wertpapiere unterlegt waren, tatsächlich nicht mehr bedient werden konnten. Ganz allgemein wurde die Bewertung dieser Papiere in Frage gestellt und von den Banken nicht mehr als Sicherheiten für Kredite entgegengenommen.
Viele Banken haben nämlich in den letzten Jahren Fonds in Steueroasen (Structured Investment Vehicles, SIV) aufgebaut, die ebenfalls in Subprime-Papiere investiert haben. Wenn sich die SIV nicht mehr wie gewohnt mit kurzfristigen Wertpapieren finanzieren können, werden Kreditlinien in Anspruch genommen - was bspw. zur Zahlungsunfähigkeit der sächsischen Landesbank und der deutschen Industriebank IKB geführt hat.
Die Risiken, die die Banken durch die Tür ausgelagert haben, sind durch das
Fenster wieder zurückgekommen. Die Banken haben zudem Private-Equity-Firmen Finanzierungen im Volumen von über 300 Milliarden Dollar zugesichert, für die im ersten Halbjahr 2007 geplanten schuldenfinanzierten Firmenübernahmen. Dieses Geld wollten sie jedoch nicht selbst aufbringen, sondern auf dem Kapitalmarkt platzieren, was in der gegenwärtigen Situation nicht gelingt. Auch für die zugesicherte Finanzierung von Private-Equity-Deals horten die Banken Geld.
Es kam zum ersten „Bank Run“ in Britannien seit 1866: Vor den Filialen der Bank bildeten sich lange Schlangen verängstigter Menschen, die ihre Sparguthaben abheben wollten. Innert zwei Tagen wurden zwei Milliarden Pfund (über 4,5 Milliarden Franken) abgehoben. Der Ansturm endete erst, als die britische Regierung die Rückzahlung der Kontoeinlagen garantierte. Inzwischen musste Sie Northern Rock sogar verstaatlichen, da sich kein Käufer fand, der die Bank übernehmen wollte.
Um der Liquiditätskrise entgegenzuwirken, haben die Zentralbanken der USA, des Euro-Raumes, Grossbritanniens und der Schweiz den Banken günstig Geld zur Verfügung gestellt. Am 11. März 2008 pumpten sie erneut 200 Milliarden Dollar in den Markt. Die Vertrauenskrise können die Zentralbanken damit aber nicht aus der Welt schaffen.
Die englische Wirtschaftszeitung «Financial Times» beschreibt das so:
«Das beschleunigte Tempo finanzieller Innovationen und die immer komplizierteren modernen Finanzinstrumente übersteigen sogar die Fähigkeit der Designer dieser Produkte, zu verstehen, was abgeht. Und diese neuen Instrumente werden häufig kaum gehandelt, ihr Wert wird durch Simulation oder Berechnung bestimmt, nicht durch den Markt. Erfahrene Investoren sind schlecht informiert über die Risiken, die sie tragen, unerfahrene haben keine Ahnung.»
Häppchenweise Abschreiber
So haben die Banken im vergangenen August zwar Verluste angekündigt, aber sie waren nicht in der Lage, diese zu quantifizieren. Wie auch? Seither erfolgen die Hiobsbotschaften und Abschreiber in Tranchen. Oder sie kommen völlig überraschend, wie bei der Credit Suisse, die die Milliardenverluste erst im Februar entdeckte. Es scheint, dass einige Mitarbeiter die notwendigen Abschreibungen bis nach der Bonus-Saison verstecken konnten.Erschwerend kommt hinzu, dass die Rating-Agenturen offensichtlich eine Sorte von Derivaten zu optimistisch bewertet hatten. Wieso sollte man also ihren Bewertungen bei anderen Derivaten Glauben schenken? Das Ergebnis dieser generalisierten Unsicherheit ist ein Investorenstreik.Der Markt für kurzfristige Wertpapiere (Commercial Papers) ist praktisch zum Erliegen gekommen. Dadurch sind all diejenigen in Schwierigkeiten, welche ihre Aktivitäten mit solchen Papieren finanziert haben.
Wen es zuerst traf
Zu den ersten „Opfern“ der Krise gehörten vor allem die Hedge Funds, die den Giftmüll (die risikoreichsten CDO-Tranchen) gekauft hatten. Die Investmentbank Bear Stearns musste zwei Hedge-Fonds liquidieren. Der UBS Hedge-Fonds Dillon Read Capital Management erlitt einen Verlust von 150 Millionen Franken und wurde ebenfalls geschlossen. Die Auflösung des Hedge-Fonds kostete die Bank weitere 300 Millionen Franken, und der CEO der UBS, Peter Wuffli, wurde im Juli 2007 überraschend kaltgestellt.Hedge Funds gerieten nicht nur in Schwierigkeiten, weil die Kredite, mit denen ihre Wertpapiere unterlegt waren, tatsächlich nicht mehr bedient werden konnten. Ganz allgemein wurde die Bewertung dieser Papiere in Frage gestellt und von den Banken nicht mehr als Sicherheiten für Kredite entgegengenommen.
Wenn der Kollege nicht zurückruft
Ebenfalls stark zurückgegangen ist die Bereitschaft der Banken, sich gegenseitig im sogenannten Inter-Banken-Kreditmarkt Geld zu leihen. Dies hat nicht nur damit zu tun, dass eine Bank fürchtet, die andere könnte nicht mehr in der Lage sein, den Kredit zurückzuzahlen, sondern auch damit, dass die Banken selbst einen erhöhten Kapitalbedarf haben.Viele Banken haben nämlich in den letzten Jahren Fonds in Steueroasen (Structured Investment Vehicles, SIV) aufgebaut, die ebenfalls in Subprime-Papiere investiert haben. Wenn sich die SIV nicht mehr wie gewohnt mit kurzfristigen Wertpapieren finanzieren können, werden Kreditlinien in Anspruch genommen - was bspw. zur Zahlungsunfähigkeit der sächsischen Landesbank und der deutschen Industriebank IKB geführt hat.
Die Risiken, die die Banken durch die Tür ausgelagert haben, sind durch das
Fenster wieder zurückgekommen. Die Banken haben zudem Private-Equity-Firmen Finanzierungen im Volumen von über 300 Milliarden Dollar zugesichert, für die im ersten Halbjahr 2007 geplanten schuldenfinanzierten Firmenübernahmen. Dieses Geld wollten sie jedoch nicht selbst aufbringen, sondern auf dem Kapitalmarkt platzieren, was in der gegenwärtigen Situation nicht gelingt. Auch für die zugesicherte Finanzierung von Private-Equity-Deals horten die Banken Geld.
Einbrechende Märkte? Der Staat springt ein
Weil sie sich weder über kurzfristige Wertpapiere finanzieren konnte, noch von anderen Banken ausreichend Kredit erhielt, ist Mitte September 2007 die britische Bank „Northern Rock“in Schieflage geraten, die noch im Januar 2007 die Auszeichnung „Best Financial Borrower“ erhalten hatte.Es kam zum ersten „Bank Run“ in Britannien seit 1866: Vor den Filialen der Bank bildeten sich lange Schlangen verängstigter Menschen, die ihre Sparguthaben abheben wollten. Innert zwei Tagen wurden zwei Milliarden Pfund (über 4,5 Milliarden Franken) abgehoben. Der Ansturm endete erst, als die britische Regierung die Rückzahlung der Kontoeinlagen garantierte. Inzwischen musste Sie Northern Rock sogar verstaatlichen, da sich kein Käufer fand, der die Bank übernehmen wollte.
Um der Liquiditätskrise entgegenzuwirken, haben die Zentralbanken der USA, des Euro-Raumes, Grossbritanniens und der Schweiz den Banken günstig Geld zur Verfügung gestellt. Am 11. März 2008 pumpten sie erneut 200 Milliarden Dollar in den Markt. Die Vertrauenskrise können die Zentralbanken damit aber nicht aus der Welt schaffen.



