Die Brandbeschleuniger: Verbriefung und Derivate
Früher hätte eine eine Welle von insolventen Schuldnern den Bankrott jener Institute gebracht, die die Kredite ausgegeben haben. In der Subprime-Krise lief es anders: Diese Hypotheken sind in Wertpapiere verwandelt und weiterverkauft worden. |
Dieser Prozess wird „Securitisation“ (Verbriefung) genannt. Banken, Hedge-Funds, institutionelle Investoren und Pensionsfonds kauften diese Wertpapiere (z.B. Residential mortgage-backed securities, RMBS). Das Risiko dieser Darlehen wurde weitergereicht. So belasteten diese die Bilanzen der Herausgeber nicht mehr, und sie konnten leichtfertig immer mehr Kredite gewähren.
Ins Schussfeld der Kritik sind auch die Rating-Agenturen geraten. Diese bewerten die Bonität der Kreditderivate in Ratings, die Grundlage ist für die Bewertung durch Investoren. Dabei unterliegen die Rating-Agenturen jedoch einem grundlegenden Interessenskonflikt. Einerseits sollten sie Investoren objektive Risikoeinschätzungen liefern, andererseits machen sie aber bis zu 50% ihres Umsatzes mit Auftragsarbeiten für Banken bei der Bewertung von Derivaten und strukturierten Produkten.
Die Verbriefung und Verpackung in Derivate hat nicht nur das Volumen der an den Subprime-Markt gekoppelten Wertpapiere stark aufgebläht. Die Konstruktion von Derivaten hat in den letzten zehn Jahren die gesamten Finanzmärkte durchdrungen.
Derivate-Konstruktion für Fortgeschrittene
Die mit Hypotheken unterlegten Wertpapiere dienten wiederum der Konstruktion von Derivaten, so genannten „Collaterized Debt Obligations (CDO)”. Vereinfacht werden bei diesen „Finanzinnovationen“ verschiedene mit Hypotheken (oder anderen „Assets“, d.h. Kreditformen) unterlegte Wertpapiere in einen Topf geworfen. Dabei werden Wertpapiere unterschiedlicher Qualität (d.h. Kredite von Schuldnern mit unterschiedlicher Bonität) bunt gemischt. Aus diesem Topf werden dann neue Wertpapiere geschaffen, eben Collateralized Debt Obligations (CDO), deutsch etwa „gesicherte Schuldverschreibungen“.Toxic Waste
Deren Clou ist, dass sie in unterschiedliche Risikotranchen aufteilbar sind, und so unterschiedliche Rendite bringen (siehe Grafik). Jede Tranche erhält ein eigenes Bonitätsrating. So ist es möglich, dass die obersten Tranchen das beste Rating AAA erhalten, das für sehr sichere Wertpapiere steht. Die unterste Tranche wiederum trägt das grösste Risiko nicht zurückbezahlter Kredite, bringt aber auch die grösste Rendite. Bis zu einem bestimmten Anteil werden alle Ausfälle dieser risikoreichsten Tranche belastet. Trotz der hohen Rendite trägt dieses Segment in der Branche den Namen «Toxic Waste» (Giftmüll).Aus Giftmüll mach hochklassige Wertpapiere
Mit den Derivaten bzw. „strukturierten Produkten“ gelang es also, aus einem Haufen unsicherer Kredite von kaum zahlungsfähigen Kunden erstklassige Wertpapiere zu fabrizieren. Da das wirkliche Risiko kaum zu erkennen war, wurden diese auch von risikobewussten Finanzmarktakteuren oder von Pensionsfonds gekauft, die nur in erstklassige Papiere investieren dürfen. Dass es so viele Kreditausfälle gibt, dass zuletzt auch die oberste, als ganz sicher verkaufte Tranche davon betroffen ist, war schlicht nicht vorgesehen.Ins Schussfeld der Kritik sind auch die Rating-Agenturen geraten. Diese bewerten die Bonität der Kreditderivate in Ratings, die Grundlage ist für die Bewertung durch Investoren. Dabei unterliegen die Rating-Agenturen jedoch einem grundlegenden Interessenskonflikt. Einerseits sollten sie Investoren objektive Risikoeinschätzungen liefern, andererseits machen sie aber bis zu 50% ihres Umsatzes mit Auftragsarbeiten für Banken bei der Bewertung von Derivaten und strukturierten Produkten.
Die Verbriefung und Verpackung in Derivate hat nicht nur das Volumen der an den Subprime-Markt gekoppelten Wertpapiere stark aufgebläht. Die Konstruktion von Derivaten hat in den letzten zehn Jahren die gesamten Finanzmärkte durchdrungen.
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