Beim Disney-Lieferant Yonglida in Dongguan (Provinz Guangdong) werden Plüschtiere und Plastikspielwaren hergestellt. Zu Spitzenzeiten arbeiten dort 1000 bis 2000 Personen. Das Management stammt weitgehend aus der Provinz Hubei und rekrutiert die meisten Angestellten ebenfalls in dieser Gegend oder anderswo in Zentralchina. Auch hier stehen die realen Arbeitsbedingungen im Gegensatz zum Zertifikat gemäss Sozialstandard SA8000, welches den Kunden aus Japan, Korea, Europa und den USA ein sauberes, soziales Gewissen vorgaukelt:
- Normalerweise wird bei Yonglida jeden Tag gearbeitet, 13 Stunden an 30 Tagen im Monat. Am Sonntag ist etwas früher Feierabend.
- Mit über 390 Überstunden pro Monat wird die gesetzliche Limite von 36 Stunden rund ums 11-fache überschritten.
- Eine Arbeiterin erzählt, dass sie täglich 600 Mickey Mouse Artikel nähen kann. Damit kommt sie auf einen Tageslohn von rund Franken 3.50 (30 RMB) oder auf einen Monatslohn inklusive Überstunden von gut 100 Franken (700 – 900 RMB). Das ist jedoch nur etwa ein Drittel des gesetzlichen Mindestlohnes während der maximal zugelassenen 196 monatlichen Arbeitsstunden von gut 300 Franken (2'000 RMB).
- Es gibt keine Lohnbestätigungen und keine detaillierten Lohnabrechnungen.
- Es gibt keinen Mutterschaftsurlaub. Oft werden schwangere Frauen sogar entlassen, was eine klare Verletzung des Diskriminierungsverbots darstellt.
- Oft müssen die Beschäftigten bei ihrer Anstellung eine Kaution von rund anderthalb Monatslöhnen (1'000 RMB) abgeben. Im ersten Jahr darf nicht gekündigt werden.
- Die Mahlzeiten in der Fabrikkantine gelten als extrem schlecht. Obwohl sie es anderswo selber bezahlen müssen, essen einige Angestellte lieber auswärts.
- Die Unterkünfte sind besonders für die Frauen extrem schlecht. Dort hausen 15 bis 16 Arbeiterinnen in einem Raum.
- Vom Lohn wird zynischerweise noch eine Gebühr für die Klimaanlage von 3 Franken (20 RMB) erhoben.
|
Bei Yonglida werden also systematisch die chinesischen Arbeitsgesetze, der ICTI-Mindeststandard, die Norm SA8000 und der Disney-Kodex missachtet. Es erstaunt daher nicht, dass keiner der Befragten ArbeiterInnen weiss, was der Disney-Kodex bedeutet und dass niemand den ICTI-Monitoring-Prozess kennt. Mit einem
Beschwerde-Mail an Disney kann bei den Verantwortlichen gegen die Missstände in den Fabriken ihrer Lieferanten protestiert werden.