Hintergrundbericht Tianyu
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Hungerlöhne beim Lieferanten Tianyu - SACOM Bericht

Zürich, 06.12.2007  - «Ich finde, dass ich unter Bedingungen arbeite und Spielwaren für den Export herstelle, die an Sklaverei grenzen. Ich habe nicht mal genug Zeit zum Schlafen. Ich möchte die Fabrik verlassen. Weil mir das Management noch den Lohn der letzten 45 Tage schuldet, ist dies gar nicht so einfach», sagte eine Tianyu-Arbeiterin.

Diese Arbeiterin steht für die über 1'000 meist jungen Beschäftigten dieser Spielzeug- und Stofftierfabrik. Tianyu ist ein Disney-Lieferant in Dongguan (Provinz Guangdong), der als ICTI-zertifizierter Betrieb vorbildliche Arbeitsbedingungen für chinesische Verhältnisse haben sollte. Es gelten in China ja ebenfalls strenge Arbeitsgesetze: Der Arbeitstag sollte normalerweise 8 Stunden dauern. Die maximale Überzeit von 3 Stunden täglich sollte monatlich summiert nicht mehr als 36 Stunden betragen. Der gesetzliche Mindestlohn sollte in Dongguan rund 60 Rappen pro Stunde betragen (4.12 RMB) und im Monat mindestens 105 Franken (690 RMB) betragen. Die Überstunden sollten mit einem Ansatz von 150% der regulären Löhne, als mit knapp einem Franken (6.18 RMB) entschädigt werden. An den Wochenenden sollte der Ansatz nochmals erhöht werden (auf 8.24 RMB oder 200 Prozent; 1.25 Franken). Die Beschäftigten haben ein Anrecht auf einen Arbeitsvertrag und auf Sozialversicherungen.
Gemäss Aussagen der Beschäftigten sieht die Realität bei Tianyu aber völlig anders aus. Am 13. September 2007 waren die Beschäftigten auf die Strasse gegangen, um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Besonders erbost waren sie, weil ihnen die Löhne zuvor seit 45 Tagen nicht mehr ausbezahlt worden waren. Unter dem Druck der Weihnachts- Lieferaufträge zeigte sich das Management grosszügig und erhöhte die Stundenentschädigungen um 17 Prozent. Trotzdem werden die gesetzlichen Limiten noch massiv verletzt:

  • Inklusive Überstundenentschädigung liegen die Durchschnittslöhne lediglich zwischen 90 bis 120 Franken monatlich (600 – 800 RMB) und damit teilweise klar unter dem gesetzlichen Mindestlohn von 105 Franken.
  • Die Überstundenentschädigung liegt teilweise lediglich bei rund 50 Rappen (3,50 RMB) und beträgt damit nur gut die Hälfte (56,6 Prozent) des regulären, gesetzlichen Mindestansatzes für Überstunden.
  • Dieser tiefe Überstundenansatz wird selbst an den Wochenenden beibehalten.
  • Bei Tianyu werden 12 bis 15 Stunden an 28 Arbeitstagen im Monat gearbeitet. In der Hochsaison gibt es keine freie Tage mehr und es wird an über 400 Überstunden gearbeitet, womit die gesetzliche Limite um ein Vielfaches überschritten wird.
  • Rund ein Viertel des Lohnes (130 RMB) wird für die Unterkunft im Massenlager wieder abgezogen.
  • Die Beschäftigten haben keine schriftlichen Arbeitsverträge, wie dies vom Gesetz her vorgeschrieben wäre. Sie müssen jedoch ein Dokument unterschreiben, bei welchem die Einträge für Arbeitsstunden und Löhne nicht ausgefüllt sind.
  • Dort wo die Plastikteile mit Farbe bespritzt werden, klagen die Beschäftigten über schlechte Belüftung. Abends haben sie schwere Kopfschmerzen und manchmal müssen sie sich neben der Maschine übergeben.
  • Der Tianyu-Belegschaft werden die Altersvorsorge, die Sozialversicherungen und die Krankenkasse vorenthalten.
  • Der Belegschaft wurde ein Informationsblatt mit 43 Fragen und 43 Antworten abgegeben, welche im Falle einer Fabrikkontrolle ausgesagt werden müssen.

Die Zeugenaussagen belegen klar, dass weder der Disney Kodex noch der ICTI-Standard eingehalten werden. Das ICTI-Zertifikat ist also nichts anderes als ein irreführender Persilschein. Mit einem Beschwerde-Mail an Disney kann gegen all diese Missstände protestiert werden.
   Hintergrundbericht Tianyu-Fabrik (0.62 MB)


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