Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft
Kein angepasster Schutz für Bauern und Landarbeiter bei der Anwendung von Paraquat

Die Landwirtschaft zählt, zusammen mit dem Bergbau und dem Hoch- bzw. Tiefbau, zu den drei gefährlichsten Gewerben. Nebst Unfällen erleidet eine grosse Anzahl von Arbeiter/innen Vergiftungen durch Pestizide, wobei Saison- und Wanderarbeiter besonders betroffen sind, welche auf den Plantagen Festangestellte zunehmend abgelöst haben (ILO 2004). Obwohl die Standards für den Gesundheitsschutz im Arbeitsbereich vielerorts 'auf dem Papier' relativ hoch sind, steht den Arbeiter/innen bei der Anwendung von Pestiziden im Feld häufig keine wirksame Schutzkleidung zur Verfügung (oder sie tragen diese wegen dem heissen Klima nicht), zudem sind sie über Vorschriften oft nur ungenügend informiert. Arbeiter/innen sind bei der Betretung von behandelten Feldern unter Umständen hohen Pestizid-Belastungen ausgesetzt, und auch ihre Vorgesetzten wissen oft nicht, welches Pestizid gerade versprüht wurde (Bade 1999). Grundsätzlich ist es für die Arbeiter/innen viel schwieriger in den Ländern des Südens als im Norden, sich vor toxischen Pestiziden ausreichend zu schützen. Im Süden tragen die Bauern und Bäuerinnen und auch Plantagen-Arbeiter/innen unvollständige Schutzkleidung. In Cambodia ergab eine Umfrage, dass unter den interviewten Bauern 96% an sich selbst Symptome oder Anzeichen einer akuten Pestizid-Vergiftung erfahren hatten; 89% gaben an, während des Sprühens ein langärmliges Hemd und lange Hosen zu tragen, 11% trugen kurze Hosen, 61% trugen keine Atemmaske (Baumwoll-Masken sind in Gebrauch aber nur wenig wirksam) und 79% trugen keine Stiefel (CEDAC 2004). Auch wenn Schutzkleidung getragen wird, verhindert dies offenbar nicht, dass es zu akuten Vergiftungen kommt, da sie nicht den ganzen Körper deckt oder von Pestiziden durchtränkt wird. Akut toxische Pestizide wie Paraquat stellen ein bedeutendes Gesundheitsrisiko dar, besonders wenn ungenügend geschützte Arbeiter/innen zur Anwendung ein manuell betriebenes Sprühgerät verwenden, wie dies im Süden üblich ist. Paraquat ist in hohem Masse gefährlich, weil bei einer akuten Vergiftung kein Gegenmittel existiert und schwere Lungenschäden mit einer Verzögerung auftreten (Madeley 2002). Es hat weitverbreitet Vergiftungen verursacht und führt unter den Arbeitsbedingungen, die vielerorts üblich sind, zu inakzeptablen Gesundheitsrisiken für die Arbeiter/innen.
Quellen:
Bade BL, Is there a doctor in the field? Underlying conditions affecting access to health care for California farmworkers and their families, CPRC report, University of California 1999
Centre d’Etude et de Développement Agricole Cambodgien (CEDAC), Pesticide use consequence in Cambodia, Phnom Penh, Cambodia 2004
Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), Analysis of government responses to the second questionnaire on the state of implementation of the International Code of Conduct on the Distribution and Use of Pesticides, Safe management of pesticides: Global monitoring of pesticide management practices, Rome 1994 (quoting from General conclusions)
Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), FAO/OECD Pesticide risk reduction survey, Safe management of pesticides, Rome (no year) (quoting from section: Promoting sustainable farming methods)
International Labour Office (ILO), Towards a fair deal for migrant workers in the global economy, International Labour Conference, 92nd session, report VI, Geneva 2004
Madeley J, Unsuitable for use – profile of paraquat, Pesticides News 56, 3-5, 2002
Murphy H, Sanusi A, Dilts A, Djajadisastra M, Hirschhorn N, and Yuliantiningsih S, Health effects of pesticides use among Indonesian women farmers: part I: Exposure and acute health effects, Journal of Agromedicine 6(3), 61-85, 1999
Rother HA, Influences of pesticide risk perception on the health of rural South African women and children, African Newsletter on Occupational Safety and Health 2, 42-46, 2000
United Nations Environment Programme (UNEP), Childhood pesticide poisoning, Geneva 2004
World Health Organization (WHO), Safe use of pesticides, WHO technical report series 813, Geneva 1991
World Health Organization (WHO), and United Nations Environment Program (UNEP), Public health impact of pesticides used in agriculture, Geneva 1990
World Health Organization (WHO), Regional Office for Europe, Prevention of acute chemical poisonings: highrisk circumstances, Report on a Joint WHO/IPCS/CEC meeting, Münster, 8-12 December 1986, Copenhagen 1987
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01.01.04 Strengthening Farmers’ IPM
01.01.02 Personal protective equipment
01.01.02 Death in small doses
01.01.95 Risk factors for occupational illnesses
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